Clinton-Monogamie

20. Oktober 2009, 13:16
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Fast außereheliche Sexualpraktiken

Die "Sexpertinnen" (Klappentext) Erika Berger und Lilo Wanders haben soeben bei Langenscheidt ein Wörterbüchlein mit dem Titel "Sex - Deutsch. Deutsch - Sex" herausgebracht. Mit den monomanischen Lexikon-Leistungen eines Ernest Borneman ("Sex im Volksmund") kann sich dieses schlanke 128 Seiten umfassende Opusculum zwar nicht einmal ansatzweise messen, aber es wartet es doch mit ein paar recht heiteren Auskünften über das Sex-Vokabular der Gegenwart auf. Unter dem Begriff "Clinton-Monogamie" zum Beispiel verstehe man ein Monogamie-Verständnis, das einen gelegentlichen außerehelichen Oralverkehr, wie ihn anno dazumal Monika Lewinsky dem amerikanischen Präsidenten angedeihen ließ, nicht ausschließt. 

Eine Variante der Clinton-Monogamie ist die "Waistline Monogamy", welche darin besteht, dass man, mit dem Einverständnis der Gattin oder des Gatten, Körperteile einer dritten Person gelegene Körperteile befummeln, abschlecken oder sich anderweitig an ihnen betätigen darf, sofern sie sich nur über der Gürtellinie befinden. Die "50-Mile-Rule" besagt, dass nur außereheliche Sexualpartner akzeptiert werden, die in einer Entfernung von mindestens fünfzig Meilen zur ehelichen Wohnung zuhause sind. Eine kleine (und bereits vier Jahre alte) Übersicht über das Regelwerk und das Vokabular so genannten "Managed Monogamy" findet man hier.

Ich will hier keineswegs ins Privatleben der verehrten Leserinnen und Leser eindringen, aber für den Fall, dass sie nach linguistisch ergiebigen Regeln zum Ehelich-Gerade-Noch-Erlaubten leben, wäre ich dankbar, wenn sie uns diese auf dem gewohnten Posting-Wege mitteilen würden.

Von Christoph Winder

Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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