Man glaubt wohl, dass sie von selber wieder gehen

16. Juni 2009, 15:02
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Wenn ich in der Früh ins Büro komme, ist es immer das Gleiche: Da warten immer mehr Menschen, die nicht wissen wohin, oft sind es Familien mit mehreren Kindern. Und an Wohnplätzen mangelt es ja immer, das wissen auch die Asylbehörden. Trotzdem schicken sie mir Leute - als ob ich ein offizielles Amt wäre.

Bei uns im Deutschkursraum "wohnen" ja ohnehin schon ständig Familien. Eine hat gerade einen Asylantrag gestellt. Im Erstaufnahmezentrum heißt es, sie sollen in einer Woche wiederkommen, zum Interview. Wohin die einstweilen sollen, interessiert natürlich niemanden. Eigentlich ist das Erstaufnahmezentrum verpflichtet, für die Unterbringung der Leute zu sorgen. Da scheint es wohl Druck von oben zu geben, dass da so gehandelt wird.

Machen kann ich aber nichts, denn die Leute kriegen natürlich nichts schriftlich, dass sie nicht aufgenommen werden, also kann man auch nichts beweisen. Das sind also keine Leute, die aus irgendwelchen Gründen aus den Erstaufnahmezentren rausgeschmissen werden, nein, die werden gar nicht genommen.

Und natürlich kommen die zu mir, wo sollen die denn auch hin, und wenn ich welche untergebracht habe, dann sind schon die nächsten da. Die Behörden glauben wohl, dass sie von selber wieder gehen. Mittlerweile sollten sie wissen, dass das eben nicht passiert. Aber wahrscheinlich bin ich dann wieder schuld, weil ich sie nicht auf der Straße schlafen lassen will.

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