Unsere familienfreundliche Regierung

7. Jänner 2009, 13:07
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Über die tschetschenische Frau mit sechs Kindern, die in meinen Büroräumen wohnen muss, habe ich hier ja schon öfter berichtet (das letzte mal am 13.10.). Die Frau war jetzt einige Wochen in der Psychiatrie. Als sie weg war, mussten die Kinder einmal dahin, einmal dorthin, zum Schluss waren sie in einem Krisenzentrum.

Das Kleinste hatte einen Pflegeplatz, aber es hat die Mutter sehr vermisst. Nun wurde die Mutter aus der Psychiatrie entlassen. Wir haben also versucht, zuerst einmal die Mutter mit dem jüngsten Kind in einer Einrichtung unterzubringen, die sich um Frauen in schwierigen psychosozialen Situationen kümmert. Aber dort nehmen sie seit neuestem keine Frauen mit Kindern mehr, weil sie kaum Plätze haben. Also mussten wir die Frau woanders unterbringen. Der Mann ist in Polen, dort darf er zwar arbeiten, aber er verdient so wenig, dass er auch kein Geld schicken kann. Außerdem droht ihm die Abschiebung zurück nach Russland. Einstweilen erhält die Frau aber noch keine Grundversorgung. Wovon sie leben soll, interessiert niemanden.

Was am schlimmsten ist: Die Frau weiß nicht, wo sie in einem halben Jahr leben wird. Sie hat bald einen Termin beim Amtsarzt, der feststellt, wie weit die Frau wieder belastbar ist. Davon hängt ab, ob sie subsidiären Schutz bekommt oder diesen "derzeit nicht abschiebbar"-Status, also einen Abschiebevollstreckungsaufschub. Die Frau soll also schauen, dass sie möglichst lange krank ist? Und die Kinder? Wie schaut es mit deren Schulbildung aus? Sollen sie in eine österreichische Schule gehen und Deutsch lernen, um dann nach Polen abgeschoben zu werden? Um dort zur Schule gehen, polnisch zu lernen und dann wieder zurückgeschoben zu werden nach Russland?

Familienfreundlich will die Regierung sein. Manche Familien scheinen ihr wichtiger zu sein als andere.

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