Ich rede hier gar nicht von Menschlichkeit

17. November 2008, 16:28
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Vor ein paar Wochen hat der STANDARD berichtet,
dass Traiskirchen 88 Asylwerber vor die Türe gesetzt hat. Und wo hat man dann gefragt, ob die Flüchtlinge unterkommen könnten? Erraten: bei mir.

Es ging hier um 48 tschetschenische Flüchtlinge, die nun obdachlos waren. Sie waren über Polen eingereist, und zwar mit Hilfe eines österreichischen Schleppers, der dabei sicher bestens verdient hat. Traiskirchen wollte diese Menschen gar nicht reingelassen. Die Polizei hat diesen Menschen dann Zettel in die Hand gedrückt, wo es geheißen hat, dass sie nicht in Traiskirchen aufgenommen werden, aber das sogenannte gelindere Mittel bekommen. (Was das gelindere Mittel bedeutet, habe ich letzte Woche erklärt.) Wo sie Unterschlupf finden sollten, stand auf dem Zettel nicht.

Wo soll ich 48 Menschen unterbringen? Einen älteren Mann, der schon zwei Tage auf der Straße leben musste, habe ich gerade noch aufnehmen können - aber wohin soll der Rest? Abgesehen davon, dass da sicher noch mehr Menschen kommen werden - und das behaupte nicht ich, sondern das sagen die Einrichtungen in Traiskirchen.

Eines sollte schön langsam klar sein: Dieses Dublin-Abkommen funktioniert überhaupt nicht. Prinzipiell müssten diese Leute ja nach Polen zurück. Aber bis die österreichischen Behörden feststellen, ob Polen sie überhaupt nimmt, vergehen zumindest mehrere Wochen. Und dann setzen unsere Behörden die Leute auf die Straße, und irgendwann finden sie sie nicht mehr. Ich rede hier gar nicht von Menschlichkeit: Das ist alles einfach nicht sinnvoll.

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