"Rausgeflogen" - und was dann?

6. Oktober 2008, 14:27
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Vor einigen Monaten kam es am Bahnhof in Traiskirchen zu einem schweren Zwischenfall: Nach einem größeren Streit kam es zu einer schweren Schlägerei unter Flüchtlingen, mehrere Medien, auch, berichteten darüber.

Halb verhungert

Vor einigen Wochen kamen dann welche zu mir, die nach der Schlägerei aus Traiskirchen rausgeflogen sind. Neun von ihnen habe ich auf einem Matratzenlager unterbringen können. Die sind zwischen 20 und 25 und schauen aus wie halb verhungerte 12-jährige. Ob die dort, in ihrer schlechten körperlichen Verfassung, so eine große Gefahr sein können, wie in manchen Medien dargestellt, kann man sich nur schwer vorstellen.

Außerdem wäre es halt schon auch die Aufgabe der dortigen Heimleitung, dass in Traiskrichen ein friedliches Zusammenleben halbwegs funktioniert. Was dort passiert ist, kann ja nicht so einfach von heute auf morgen so gekommen sein - so etwas baut sich langsam auf. Und da müsste die Leitung doch etwas bemerken und das dann rechtzeitig abbauen.

Und wenn dann wirklich etwas passiert und die Leitung glaubt, sie muss welche aus dem Heim rausschmeißen, dann sollte es doch möglich sein, dass es in jedem Bundesland eine Einrichtung gibt, die sie aufnimmt - natürlich mit sinnvollen vorherigen Gesprächen.

Scheinlösung

Und dann teilt man halt die "Problemfälle" in ganz Österreich auf. Dann könnte das funktionieren. Und dann sehen auch die anderen: Wenn so etwas vorfällt, dann muss man weg. Dann werden sich das viele überlegen. Aber einfach so Menschen auf die Straße zu werfen, das bringt ja nichts - außer neue Probleme.

Einer dieser jungen Männer war zufällig auf dem Bahnhof. Als dort die Polizei aufkreuzte, sind alle gerannt, er natürlich auch. Und schon bekommt er Hausverbot in Traiskirchen - seine Frau und sein Kind sind aber noch dort.

"Rausgeflogen"

Ich habe dann im Innenministerium angerufen und gefragt, ob man nicht mit der Zuteilungsstelle reden kann, dass die Frau und das Kind woanders in einer Pension untergebracht werden und er dann auch dort dazuziehen kann. "Nein", heißt es dann, "der ist aus der Grundversorgung rausgeflogen" - und fertig. Frage ich: Wie geht das jetzt weiter? Antwort: "Wir werden die Verfahren beschleunigen - und dann werden wir schon sehen, was sein wird..."

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