Tschetschenische Familien, vorläufig letztes Kapitel?

13. August 2008, 16:40
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Im Blog vom 23.07.08 (Das Büro als Wohnraum) habe ich von dem Schicksal zweier tschetschenischen Mütter mit ihren Kindern berichtet. Schon über zwei Monate "wohnen" die in meinen Büroräumen, keine Behörde wollte sich ihrer annehmen, nirgends konnte man sie unterbringen, überall hieß es nur: "Da können wir leider auch nichts machen."

Nun, der Vater der einen Familie ist heute nach Polen abgeschoben worden, der war in Oberösterreich und dann in Wien in Schubhaft. Seine Frau ist seit ein paar Tagen mit dem jüngsten Kind (das ist ein Jahr und vier Monate) im Spital wegen einer Lymphdrüsenoperation, die Gott sei Dank gut verlaufen ist. Prinzipiell ist das ja gut, dass die Mutter im Spital bei dem Kind bleiben kann, aber in diesem Fall hat natürlich niemand gefragt, was nun mit den anderen Kindern passiert. Die wurden dann halt mehr schlecht als recht von anderen Hausbewohnern beaufsichtigt. Die Frau ist in der Früh mit dem Kind ins Spital und dann halt einfach nicht mehr zurückgekommen, die ist auch schon ziemlich durch den Wind, kein Wunder, bei dem was die alles erlebt hat.

Eine Behörde hat gemeint, der abgeschobene Vater hat ja womöglich die Obsorge für die Kinder, die könnte man dann ja auch gleich mit ihm mitabschieben. Sehr sinnvoll, was soll der Vater mit den Kindern machen in Polen? Sie haben ihn abgeschoben; da seine Chancen in Polen bekanntermaßen gleich Null sind, wird er von dort so schnell wie möglich abhauen. Die Behörde hat mich dann noch gefragt, ob ich denn schon das Jugendamt verständigt hätte, worauf ich ihm antwortete, dass vom Innenministerium bis zum Jugendamt alle genau Bescheid wüssten, und das schon seit mehreren Wochen.

Die Behörden haben mir dann gesagt, dass wenn die Frau mit dem Kind aus dem Spital kommt, dann wird sie mit den Kindern in ein paar Tagen auch abgeschoben, die Flugtickets seien schon bereitgestellt.

Jetzt sind aber auf einmal alle ganz furchtbar betroffen, "Nein, wenn wir gewusst hätten, dass die Frau mit dem Kind im Spital ist...". Alle tun jetzt so, als ob sie von der Familie bislang nichts gewusst hätten, obwohl ich ja wochenlang versucht habe, die irgendwie unterzubringen. Das ist doch eine ziemliche Pflanzerei.

Und was bedeutet das alles für die Kinder? Die Eltern sind schon völlig apathisch geworden, bei allem was sie durchgemacht haben, und kümmern sich entsprechend schlecht um die Kinder. Und diese können nirgends ordentlich in die Schule gehen, denn einmal sind sie dort, dann werden sie wieder nach Polen zurückgeschoben, dann sind sie wieder da. Was ist das für ein Leben?

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