Gleichbehandlung im Fußballstadion

9. Oktober 2009, 10:27
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Mann ging gegen billige "Damenkarten" bei Länderspielen zum Verfassungsgerichtshof, ersparen kann er sich damit nichts

 

Österreichs Verfassungsrichter beschäftigen sich derzeit mit dem Fußball, einer traditionell männlichen Sportart, die zunehmend auch Frauen interessiert. Ihnen kam der österreichische Fußballbund bis Sommer 2009 bei den Eintrittspreisen für Länderspiele der Nationalelf entgegen: sogenannte Damenkarten waren je nach Spiel zwischen einem Drittel und der Hälfte billiger, was für weibliche Fußballfans ebenso erfreulich (wegen der Ersparnis) wie ärgerlich (wegen der herablassenden Großzügigkeit) war.

Wirklich zornig über die – inzwischen gestoppten - Lockangebote wurde aber ein Mann: Robert Marschall, Betreiber eines Wiener Onlinemagazins (http://www.wien-konkret.at) , fand, dass die billig gegebenen Damenkarten der ausgeweiteten EU-Gleichbehandlungsrichtlinie widersprechen, weil diese jetzt auch bei Waren und Dienstleistungen gilt. Und ging, da Österreich diese Richtlinie nicht zeitgemäß umgesetzt hatte und er seine Beschwerde binnen der geltenden Fristen nirgendwo einbringen konnte, zum Verfassungsgerichtshof.

Dieser brütet derzeit über das Vorbringen und wird in den kommenden Wochen entscheiden, ob Marschall als Mann diskriminiert worden ist. Wenn ja, würden ähnliche "Frauenprivilegien" (und in der Folge vielleicht auch verbilligte Tickets in anderen Bereichen und für andere soziale Gruppen, etwa für Senioren und Jugendliche in Theatern oder in Schwimmbädern) in ein schiefes Licht gerückt.

Und warum, so fragt man sich, ist es in Österreich zuallererst ein Mann, der das ausgeweitete EU-Gleichbehandlungsgebot öffentlichkeitswirksam einfordert? Noch dazu, wo selbst ein Klagerfolg ihm und anderen Männern keine Ersparnis brächte: der Stadioneintritt würde für sie nicht billiger, sondern vielmehr für Frauen teurer. Da hätten Frauen im Resultat zumindest mehr im Börsel, wenn sie – zum Beispiel – die ungleichen Friseurpreise für Männer und Frauen erfolgreich vor Gericht brächten.

Irene.Brickner@derStandard.at

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