Dörflers unfaires Match gegen traumatisierte Tschetschenen

10. August 2009, 13:16
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Auf das Verfassungsgerichtshofsurteil, wonach Jörg Haiders Tschetschenenabschiebung im Jänner 2008 widerrechtlich war, reagiert der Kärntner Landeschef sportlich. Das ist zynisch.

 

Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler nimmt es sportlich. Jetzt stehe es "zwei zu eins" für sein Bundesland, sagt er, nachdem der Verfassungsgerichtshof die Abschiebung der tschetschenischen Asylwerberfamilie S. aus Villach ins Erstaufnahmenzentrum Traiskirchen (NÖ) am 7. Jänner 2008 als Zwangsmaßnahme verurteilt hat.

Dass Kärnten hierbei angeblich in Führung liegt, schließt der Landeschef aus dem Ergebnis eines völlig anderen Matches: der Verwaltungsgerichtshofs habe die Ausweisungsaktion in einem weiteren Verfahren, das eine andere tschetschenische Familie betrifft, als rechtmäßig bezeichnet, behauptet er.

Doch gegen wen tritt das Land in diesem Wettbewerb überhaupt an? Die phantasierten Gegner sind die insgesamt 18 Asylwerber, die am jenem Jännertag auf der Grundlage fälschlichen Kriminalitätsverdachts binnen 24-Stunden-Frist aus ihren Wohnungen geholt, in Busse verfrachtet und weggebracht wurden: Männer, Frauen, Kinder, die schon bis dahin Schlimmes mitgemacht hatten. Bei Bombenangriffen, durch Folterungen und auf der Flucht, woraus sie traumatisiert, also psychisch angeschlagen, hervorgegangen sind.

Daher waren etwa im Fall von Familie S. drei von sieben Familienmitgliedern in Kärnten in psychotherapeutischer Behandlung. Mit dem Rauswurf aus dem Bundesland war es damit vorbei. In Wien, wo die S. jetzt leben, standen sie vor anderen Prioritäten. Sie mussten sich von dem Ausweisungsschock erst wieder erfangen, was laut Flüchtlingshelfern Monate gedauert hat.

Monate voller Unsicherheiten und Probleme, weil ein Landespolitiker eigenmächtig und rechtswidrig handelte. Daran ist – mit Verlaub - nichts Sportliches. Wer das als Match sieht, ist vielmehr unfair. Und zynisch.
Irene.Brickner@derStandard.at

 

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