Ungesetzliches Jugendlichenvertreibungspfeiferl

6. August 2009, 16:51
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Störende Teenies und Früh-Twens werden in Attnang-Puchheim mittels "Mosquito Sound System" vom Schlossplatz ferngehalten. In Wien gelang es Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid, einen Sexshopbesitzer von der rechtswidrigen Praxis abzubringen.

 

Probleme zwischen Jungen und Alten existieren, seit es Menschen gibt: Die Jungen sind den Alten zu laut (die Alten den Jungen im Gegenzug zu fad), Gruppen von Jugendlichen auf öffentlichen Plätzen (die sich vielfach dort treffen, weil sie keine eigene Wohnung haben) wirken auf Ältere bedrohlich: Die Folge: Auseinandersetzungen, Streit - und so manche "blöde Anrede". Bis ein technischer Kopf und findiger Soundtechniker das "Mosquito Sound System" erfand: Einen Apparat, der unangenehme Töne in einem hohen Frequenzbereich von sich gibt. So hoch, dass es nur junge Menschen unter 25 Jahren hören - wer älter ist, ist schon zu terrisch dafür. Auf dass die Jugendlichen das Weite suchen - und die Alten unter sich bleiben.

Im oberösterreichischen Attnang-Puchheim ist so ein Apparat am Schlosshof derzeit in Betrieb - und in Wien hatte ihn ein Sexshopbesitzer installiert, weil Gruppen von Jugendlichen den zahlungskräftigen Kunden den Zugang zum Pornoempel verstellten. Dem Wiener Kinder- und Jugendanwalt Anton Schmid gelang es vor Kurzem, den Intimwarenverkäufer davon abzubringen - wozu Schmid noch nicht ausreichend gratuliert worden ist.

Weil ein solches "Jugendabwehrsystem" die Vertriebenen in ihren Rechten verletzt, ihre Freizeit nach Belieben an öffentlichen Orten zu verbringen. Und zum Beispiel nach dem Wiener Jugendschutzgesetz bekämpfbar ist. Dessen Artikel 7 verbietet Maßnahmen, die die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährden. Etwa das Wohlergehen eines Babys im Kinderwagen, das im Unterschied zu seiner - sagen wir - 30-jährigen Mutter das Mosquito-Gepfeif hört und elendiglich brüllt.
Und - außerdem - was soll diese ganze Pfeifer- und Vertreiberei? Ist ein durchschnittlicher österreichischer Erwachsenen heutzutage nicht mehr fähig, Konflikte mit Jüngeren auszutragen? Ist er oder sie sich zu schade dafür? Offenbar, und das - mit Verlaub - verrät nicht Gutes über ein Land, dessen Bewohner, sobald es um die Zukunft der Pensionen geht, über die Überalterung klagen.

Irene.Brickner@derStandard.at

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