Gegen den Rassismus in Europa hilft kein Ignorieren

25. Juni 2009, 19:33
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Die Gegner statistischer Erfassung und von Maßnahmen gegen das Problem verwenden die gleichen verkehrten Argumente wie die Gegner der Frauengleichstellung in der 1960ern.

 

Erinnern Sie sich an die schönen 1960er-Jahre – oder, so Sie jünger sind, wissen Sie, worüber in vielen europäischen Staaten damals gestritten wurde? Über die Frauen zum Beispiel: Ob sie einen Beruf haben, Jeanstragen oder Autofahren sollten. Ob sie gleichberechtigt werden oder weiter männlichen "Familienoberhäuptern" ausgeliefert bleiben sollten – und ob es überhaupt notwendig sei, über all das zu reden. Feministinnen, so hieß es damals, würden die anderen Frauen mit ihren Gleichstellungsideen nur aufstören und die gesamte schöne, normale, männerzentrierte Gesellschaft in Misskredit bringen: 50 Jahre später haben die "Aufstörerinnen" von damals in fast allen Punkten Recht behalten. Die Frauengleichstellung in Europa durchgesetzt, zumindest auf dem Papier.

Jetzt hat die EU-Grundrechtsagentur (FRA) vergangenen Mittwoch ihren Jahresbericht 2009 vorgestellt. Mit der zentralen Botschaft, dass Rassismus in Europa weiter verbreiteter ist als es die existierenden Statistiken ausweisen. FRA-Chef Morten Kjaerum hat von einer derzeit sichtbaren rassistischen "Spitze des Eisbergs" gesprochen – und dass es nötig sei, das Problem in seiner ganzen Breite zu erkennen. Dafür wurde er in diversen Foren und von manchem Kommentator kritisiert. Kjaerum und andere würden den Rassismus erst herbeireden - und überhaupt könne man Meinungen wie diese schon nicht mehr hören.

So anders der Inhalt, so gleich die Argumente: Dass Ungerechtigkeiten nicht verschwinden, wenn man sie ignoriert, hat sich seit den 1960ern offenbar immer noch nicht herumgesprochen – und das ist jetzt ein wirkliches Problem. Denn ob sich die Vernunft in Europa auch gegen den Fremdenhass durchsetzen wird, so wie sie es gegen die Frauenfeindlichkeit tat, ist leider keineswegs klar: Mit Rassismus und anderen Vorurteilen wird derzeit politisch wild gezündelt, in Österreich und anderen Mitgliedstaaten der EU.

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