Was tun gegen rassistische Schmierereien?

29. März 2009, 14:00
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Ein Idee gegen Abstumpfung und Wurschtigkeit angesichts fremdenfeindlicher Slogans: Eigeninitiative – dort, wo man wohnt.

Man gewöhnt sich an viel – aber das kann durchaus falsch sein. Zum Beispiel, wenn es um die rassistischen Schmierereien an Hauswänden, Plakatwänden usw. geht, die einem und einer jeden auffallen, der offenen Auges durch Stadt und Land geht. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren - zumindest in Wien - eher zugenommen, wenn auch der Stil meist vom bombastisch-bunten (Graffiti) zum ungelenk-schwarzweißen (Filzschreiber) gewechselt hat - wohl weil ein Filzschreiber einfacher zu benutzen ist als eine Spraydose.

Nun haben die Mitarbeiter der Antirassismusgruppe Zara in ihrem Jahresbericht 2008 verkündet, dass bei ihnen immer weniger Meldungen über derartiges Geschmiere eingehen. Dafür haben sie Gründe genannt: Ein Monitoringprojekt von vor zwei Jahren sei bereits in Vergessenheit geraten, ein weiteres, das heuer starten soll, erst in Vorbereitung. Das ist nachvollziehbar, doch kann man sich mit dieser Erklärung für die weithin ungestörte Verschandelung öffentlicher Flächen durch hetzerische Slogans zufrieden geben?

Nein.

Eine Idee wäre, selbst initiativ zu werden – im eigenen Umfeld und ganz konkret: Wer an der Außenwand seines Wohnhauses einschlägiges Geschmiere bemerkt, greift zu einem Topf mit Farbe und übermalt es – wenn das Haus ihm oder ihr selber gehört. Wer in einer Eigentumswohnung lebt, informiert die Eigentümerversammlung, um das OK fürs Übermalen zu bekommen. Wer in Miete wohnt, wendet sich zu diesem Zweck an die Hausverwaltung. Das ist zwar unbequemer als Wegschauen - aber eine praktische Übung gegen die zunehmende Abstumpfung und Wurschtigkeit in alltäglichen Menschenrechtsfragen.

Irene.Brickner@derStandard.at

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