Moritat von einer sinnlosen E-Card

17. Februar 2009, 15:12
31 Postings

Wie eine deutsche Studentin trotz EU-Sozialrechtharmonisierungversuchen an der österreichischen Krankenversicherung scheiterte

 

Ob Österreicher oder Deutscher, ob Grieche oder Spanier: EU-Bürger sind wir alle, und dieser Umstand sollte eigentlich Vorteile bringen. Zum Beispiel bei der staatlichen Krankenversicherung, zu der jeder versicherte EU-Bürger im EU-Ausland eigentlich das Recht auf gleichen Zugang haben sollte. Irgendwie, theoretisch.
Doch die Realität schaut anders aus - und davon weiß eine 19-jährige deutsche Studentin, die sich um 46 Euro pro Monat freiwillig bei der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) versichern wollte, ein Lied zu singen: Neun Monate lang ­stand sie mit der Kassa in lockerem bis engem telefonischen und brieflichen Kontakt: Versicherungsschutz errang sie keinen, Bürokratie und Kommunikationsdefizite waren stärker.
Im Juni 2008 hatte die junge Frau ihren "Antrag auf Selbstversicherung" an die WGKK abgeschickt. Als sie nach ihrem Sommerurlaub im September nach Wien zurückkam und in der Post keine E-Card (oder Benachrichtigung, diese abzuholen) fand, wurde sie unruhig: Sie griff zum Telefon ­ und erfuhr dass "mit Ihrer Versicherung alles in Ordnung ist".
Also ging sie zuversichtlich - wenn auch ohne E-Card - zum Arzt. Der winkte ab. Neuer Anruf bei der Krankenkassa: "Alles OK". Neuer Arztbesuch: "Sie müssen sich erst freischalten lassen". Neuer Anruf: "Sie haben ja auch noch keine Beiträge bezahlt". "Ich habe ja auch noch keine E-Card bekommen."
Im November wandte sich die inzwischen leicht Verzweifelte an die WGKK-Ombudsfrau - und erhielt eine E-Card! Dennoch: Besuch beim Zahnarzt: Die E-Card funktioniert nicht. Anruf bei der WGKK: "Sorry, wir haben Probleme mit dem Hauscomputer".
Im Jänner habe sie dann endgültig genug gehabt und den WGKK-Vertrag schriftlich gekündigt, erzählt die Studentin. Bei diesem Ausstieg kommt ihr die WGKK jetzt insofern entgegen, als die junge Frau keinerlei Versicherungskosten für die vergangenen neun Monate zu tragen haben wird. Auch bei bei Selbstversicherung in Deutschland könne man ihr helfen, heißt es bei der Kassa. Das sei auch von Österreich aus nicht so schwer. Wahrscheinlich, weil hier wie da ja in der EU mit ihren Harmonisierungsansprüchen leben.

Irene.Brickner@derStandard.at

  • Artikelbild
Share if you care.