Die Blitzabschiebung von Familie Grigorjan

14. November 2008, 14:08
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Berichten von Flüchtlingshelfern zufolge ist am Freitag aus Wien ein Abschiebeflug in Richtung Afrika weggegangen, mit abgelehnten Asylwerbern und anderen "Rückzuführenden" aus mehreren europäischen Staaten, die zu diesem Zweck angeblich eigens nach Wien gebracht wurden. Transporte aus der EU wie dieser sind inzwischen die Norm, die Abschiebemaschinerie läuft großteils friktonsfrei, auch jene aus Österreich.

 

Wie sich so eine Abschiebung konkret anlässt, bekam am Donnerstag ab 15 Uhr die bis dahin im steirischen Mürzsteg untergebrachte Familie Grigorjan, armenische Zeugen Jehovas, zu spüren. Direkt befragen kann man sie nicht mehr, da sie schon neuneinhalb Stunden später außer Landes waren. Zeugen berichten, dass um 15 Uhr waren vor ihrem Haus drei Polizeibusse vorfuhren. "Schularbeiten braucht ihr keine mehr zu machen, weil ihr müsst einpacken", bekamen die vorm Tisch sitzenden Kinder zu hören. Telefonieren war den Grigorjans ab dem Moment verboten, die Handys mussten in einen extra Rucksack gepackt werden. Auch der Versuch einer Zeugin, den Eltern Geld zuzustecken, wurde von Polizisten unterbunden. Um 18 Uhr waren sie in Wien, um 21 Uhr am Flughafen:

Flugtauglichkeitsuntersuchung und andere bürokratischen Abwicklungen, in Windeseile durchgeführt. Total unterbrochen hingegen war die Kommunikation nach "draußen": Drei Menschen, die von Polizei und Behörden Informationen wollten, erfuhren genau: nichts.

Vorinformiert, dass ihre Abschiebung bevorsteht, waren die Grigorjans nicht worden. Für sie hatte das Auftauchen der Fremdenpolizei den Charakter eines Überfalls: Dass ein Abschiebeversuch vor zwei Monaten nach Bemühungen von Helfern und Zeitungsberichten abgewendet wurde und dies bei den Behörden vielleicht Frust verursacht hat, kann die Härte nur zum Teil erklären. Denn auch wenn die Abschiebung - höchstwahrscheinlich - rechtens war. Ob sie, so wie sie stattfand, richtig war, ist schwer zu bezweifeln.

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