Die Zogajs sind fast schon weg

14. Oktober 2008, 11:59
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Arigona Zogajs zwei kleine Geschwister werden also bis auf Weiteres kein Visum für Österreich bekommen, das ist seit ein paar Tagen klar. Also bleibt die Familie auf österreichischen Behördenentschluss hin weiter getrennt: Mutter und Tochter in Oberösterreich, weitere Geschwister im Kosovo, der Vater mit einer neuen Lebensgefährtin unbekannten Aufenthalts irgendwo in einem ex-jugoslawischen Folgestaat: Die Zersplitterung ist perfekt.

 

Und bei dieser Zersplitterung wird es längerfristig wohl auch bleiben, außer Arigona und Nurije Zogaj beschließen, in den Kosovo zurückzukehren, auf dass zumindest Mutter und Geschwister wieder zusammenkommen: Vielleicht befindet bald aber auch ein Amtsarzt, dass Mutter Zogaj von ihren Depressionen genesen und damit abschiebbar ist.
Doch egal wie: Eine Rückkehr der Zogajs in den Kosovo würde die Affäre zu genau jenem Ende bringen, das Fremdenbehörden und Innenministerium von Beginn an angestrebt haben. Der Staat dürfe sich "nicht erpressen lassen darf": Dieser Spruch wurde Ex-Innenminister Günther Platter vor einem Jahr als krass übersteuert angekreidet. Jetzt stößt sich kaum jemand mehr daran - und Arigona Zogaj ist vom Medien-Darling zur öffentlichen Unperson geworden.

Bleibt nachzutragen, dass die damals 16-Jährige, als sie sich vor einem Jahr mit aller Kraft gegen die Außerlandesbringung sträubte, damit Recht hatte. Weil sie mit ihrer Lebens- und Migrationsgeschichte ein Fall für ein Bleiberecht in Österreich laut Europäischer Menschenrechtskonvention wäre, wenn es dieses bereits gäbe. Die Europäische Menschenrechtskonvention schützt in Artikel 8 das Recht auf Privat- und Familienleben. Bei den Zogajs ist dieses inzwischen nachhaltig gestört - und die heimischen Behörden haben ordentlich mitgeholfen.

Irene.Brickner@derStandard.at

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