"Reiche" Asylwerberinnen bleiben verschollen

4. Oktober 2008, 19:30
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Auf zwei junge Somalierinnen warten in Österreich 15.000 Euro Schubhaftentschädigung, doch im italienischen Asylwesen sind sie nicht auffindbar.

15.000 Euro sind eine große Summe Geld für zwei somalische Frauen, die irgendwo in Italien in einem Flüchtlingsquartier sitzen. Doch Frau A. und Frau H., für die bei Andreas Lepschi, ihrem Rechtsvertreter in Wien, seit mehreren Monaten 15.000 Euro Entschädigung der Republik Österreich für drei Monate widerrechtliche Schubhaft bereitliegen, melden sich nicht.

Gesucht wurden sie schon von einer ganzen Reihe von Personen: Von Lepschi selbst und von Mitarbeitern des Rechtsanwaltsbüros Bischof, für das der Jurist arbeitet. Von Günter Ecker vom Verein Menschenrechte, der in Wien die Schubhaftbetreuung innehat - und somit auch mit Frau A. und Frau H. zu tun hatte. Von Anwälten in Italien, von somalischen Vermittlern in Norwegen: Erreicht haben sie allesamt nichts.

Einmal kam es zu einer telefonischen Konferenzschaltung mit zwei Frauen in einem süditalienischen Lager, die behaupteten, A. und H. zu sein: "Nach einer Minute war die Verbindung unterbrochen", schildert Lepschi. Ecker hat eine Erklärung parat: "A. und H. leben unter falschem Namen in Italien". Vielleicht aber hätten im italienischen Flüchtlingsquartier auch schon Andere von den 15.000 Euro gehört und versucht, sich als A. und H. auszugeben. Vielleicht sogar Schlepper, von der die beiden jungen Frauen abhängig sind - aber das sei reine Spekulation.

Schaut also aus, als würden A. und H. um ihr Geld umfallen. Dann bliebe ihnen nur der Schaden - drei Monate widerrechtlicher Freiheitsentzug sind nicht nichts - aber keine Entschädigung dafür: Obwohl ihnen diese für einen Missstand zukommen soll, der Österreich in den vergangenen Jahren einige Kritik eingebracht hatte und erst durch Urteile wie in ihrem Fall gestoppt werden konnte: Die systematische Einsperrung der vielen Dublin-Fälle unter den Asylwerbern.

Aber weg ist eben weg. Und es ist bemerkenswert, wie gut vernetzt die EU Staaten inzwischen sind, wenn es um das Abschieben von Personen geht. Und wie schlecht, wenn es darum geht, jemanden bereits Abgeschobenen wieder ausfindig zu machen. Auch wenn zu befürchten ist, dass in Österreich nach der Strache-und Haider-Wahl weiterer Aufwind für simple Lösungsansätze in Sachen "Ausländer" bevorsteht ("Asylbetrug", "Heimkehrflug", Einwanderungsstopp...): Darüber sollte geredet werden.

Irene.Brickner@derStandard.at

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