Tanzfieber trotz Krise

20. Oktober 2009, 12:15
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Wertschöpfung im Dreivierteltakt - insgesamt 67 Millionen Euro erhofft sich Wien aus der heurigen Ballsaison, und es sieht gut aus

16.000 Gläser Champagner, knapp 10.000 Liter Bier, 11.000 Paar Sacherwürstel und 3.100 Portionen Gulaschsuppe werden in einer Hofburg-Ballsaison konsumiert. Tanzen ist wieder in. Trotz oder vielleicht wegen der Krise, meint Norbert Kettner, Geschäftsführer Wien Tourismus bei einer heutigen Pressekonferenz zum Thema "Wirtschaftliche Aspekte der Wiener Ballsaison". Kettner: „Die Bälle in Wien sind eine Traum-Maschine und ein Tourismus-Magnet. Die Kultur des Genusses steht in der Bundeshauptstadt bei Einheimischen wie bei Gästen ganz oben auf der Liste." Überhaupt: Touristen wollten das erleben, was auch der Wiener erlebt. Und der weiß bekanntlich gut zu leben. "Savoir vivre", wie Kettner es nennt.

Tanzen ist wieder in, belegen auch die Zahlen. In der Zeit zwischen Faschingsbeginn am 11. November bis zum Faschingsdienstag werden auf den rund 450 Bällen in Wien 315.000 Gäste erwartet. Im Schnitt wollen die Besucher wie im Vorjahr 215 Euro ausgeben, was eine Gesamtwertschöpfung von 67 Millionen Euro bedeutet, so die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, Brigitte Jank. Die Krise kann der Lust am Tanzen also nichts anhaben, lag doch die Gesamtwertschöpfung der vergangenen Saison bei "nur" 64 Millionen Euro.

Laut einer Umfrage der KMU Forschung Austria ist die Hofburg für knapp die Hälfte (45 Prozent) der Wiener der beliebteste Veranstaltungsort, gefolgt vom Rathaus (20 Prozent) sowie dem Palais Auersperg und dem Parkhotel Schönbrunn (je zehn Prozent). 50 Prozent der Gäste kommen aus Wien, ganze 85 Prozent aus Österreich, der Rest verteilt sich auf ausländische Gäste, allen voran Deutsche, gefolgt von Briten, US-Amerikanern, Italienern und Schweizern. 17 bis 20 Prozent der Hofburg-Ballgäste seien "Wiederholungstäter" und besuchen eine Veranstaltung zwei, drei Mal oder sogar öfter, meint Maximilian Platzer, Obmann des Klubs der Wiener Kaffeehausbetreiber und Organisator des Kaffeesiederballs, der neben dem Jägerball zu den größten Bällen gehört. "Ein Großteil unserer Kartenkontingente, vor allem die heiß begehrten Logenplätze, sind über Jahre vorreserviert", so Platzer weiter.

Neben Unterhaltung, der Möglichkeit, einen Abend vom Alltag abschalten zu können und gelebter Tradition - die Bälle können auf eine 400 Jahre alte Geschichte zurückblicken -, werden nicht wenige Geschäfte abgeschlossen. Da wird auch bei Garderobe & Co nicht gespart, so die Ergebnisse einer Attraktivitätsstudie der IMC Fachhochschule Krems: 30 Prozent der Frauen wollen in neue Schuhe und neue Kleider investieren (Vorjahr: 45 Prozent), und 25 Prozent in Schmuck (Vorjahr 45 Prozent). Dafür wollen 30 Prozent der Männer neue Schuhe erwerben (Vorjahr 25 Prozent), aber nur 15 Prozent auch in neue Anzüge (Vorjahr 25 Prozent).

Platzer: "2010 wird wohl ausverkauft sein, auch wenn der Vorverkauf wegen der Krise bislang schleppender anläuft als im Vorjahr." Doch die Zuversicht herrscht vor: "Die Menschen entscheiden sich eben später." (Sigrid Schamall, derStandard.at, 20.10.2009)

  • Bälle gehören zu Wien wie der Stephansdom, die Fiaker oder das Kaffeehaus.
    foto: hofburg

    Bälle gehören zu Wien wie der Stephansdom, die Fiaker oder das Kaffeehaus.

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