Teheran will keinen Deal mit Frankreich

20. Oktober 2009, 17:51
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Gespräche über Atomprogramm wurden am Dienstag nur informell fortgesetzt

Wien - Einigkeit demonstrierten die Delegationen Frankreichs, Russlands, der USA und des Iran bei den neuen Atomgesprächen zumindest in einer Sache: "No comment" - kein Kommentar, lautete unisono die Auskunft über den Verlauf der Verhandlungen in Wien. Wie viel seines niedrig angereicherten Urans der Iran wann nach Russland bringen wird, wo es weiter angereichert werden soll - das schien am Dienstag noch offen.

Etwas mehr als die versteinerten Gesichter der Diplomaten in Wien sagten möglicherweise die Worte des iranischen Außenministers in Teheran: Es gebe "überhaupt keinen Grund" für die Teilnahme der Franzosen an den Gesprächen, zitierten Medien aus Teheran Manuchehr Mottaki. "Wir brauchen nicht viel Brennstoff, und wir brauchen nicht die Teilnahme von vielen Ländern." Die USA und Russland hätten sich zu Verhandlungen bereiterklärt, diese beiden Länder seien genug.

Diplomaten aus dem Umfeld der Wiener Gespräche deuteten an, der Iran wolle Frankreich womöglich nicht direkt in eine Vereinbarung einbinden. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy fährt einen harten Kurs gegenüber Teheran und drängt zu Sanktionen, falls es nicht zu einer baldigen Lösung im Atomstreit kommt. Laut ursprünglichem Plan soll das in Russland höher angereicherte Uran nach Frankreich gebracht und dort zu Brennelementen weiterverarbeitet werden. Anschließend sollte es in den Iran gebracht und für medizinische Forschung verwendet werden. Einige Beobachter sagten, ein direkter Deal zwischen Teheran und Paris sei für den Plan nicht notwendig.

Am Montag hatte das iranische Staatsfernsehen Press TV gemeldet, Teheran schließe Frankreich als Lieferanten von höher angereichertem Uran aus, weil Paris schon früher Lieferverpflichtungen nicht eingehalten habe. 1974 hatte der Iran einen Nuklearkooperationsvertrag mit Frankreich geschlossen und sich am Uran-Anreicherungskonsortium Eurodif beteiligt. Angereichertes Uran erhielt der Iran jedoch nicht, auch seine Anteile bekam Teheran nicht zurück.

Offiziell wurden die Gespräche am Dienstag zunächst nicht wieder aufgenommen. Die Delegationen verhandelten informell weiter. Mit dem Deal, der in Wien festgelegt werden sollte, erhoffen sich die USA und die EU Zeit für Verhandlungen im Atomstreit: Wenn sich ein guter Teil des iranischen Urans im Ausland befindet, kann es nicht für den Bau einer Atombombe eingesetzt werden. Der Iran weist Anschuldigungen, er bastle heimlich an einer Bombe, zurück und betont stets, sein Nuklearprogramm diene rein friedlichen Zwecken. (Julia Raabe/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2009)

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