Zentralmatura ist beschlossene Sache

21. Oktober 2009, 13:52
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Ab 2013 sollen die ersten Maturanten die neue Reifeprüfung absolvieren - Auch für die Lehrer bedeutet das eine Umstellung

Wien - Für Österreichs MaturantInnen wird bald alles anders. Im Schuljahr 2013/14 sollen die ersten AHS-Maturanten eine standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung absolvieren, die aus drei voneinander unabhängigen Säulen besteht. Im Schuljahr darauf folgen dann auch die ersten berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Die dazu nötige Novelle zum Schulunterrichtsgesetz (SchuG) wurde heute am Nachmittag im Nationalrat beschlossen. Ebenfalls wurden einige Klarstellungen zu BIFIE-Bildungsstudien und Erleichterungen für ältere Absolventen von Lehramtsstudien beschlossen.

Und so soll die neue Matura aussehen: Kern der neuen Matura sind schriftliche Prüfungen mit identen und zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen, abgehalten wird die Prüfung am selben Tag in ganz Österreich. Der Klassenlehrer beurteilt die Arbeiten mit Hilfe eines standardisierten Korrekturschlüssels. Jeder Schüler muss eine "Vorwissenschaftliche Arbeit" schreiben und diese bei der mündlichen Matura präsentieren. Bei der mündlichen Prüfung muss der Schüler in jeweils zehn bis 15 Minuten jeweils eine Frage aus zwei bzw. drei Fächern beantworten, diese kommt aus einem von den Fachlehrern der Schule zusammengestellten Themen-Pool.

Bildungsexperte Bernd Schilcher begrüßt im Ö1-Morgenjournal die Maturareform. Schilcher betont, der zentrale schriftliche Teil der Matura sei auch ein Prüfstand für den Lehrer selbst, ob er den angestrebten Qualitätslevel erreicht.

Im Parlament ging die Bildungsdebatte ohne gröbere Streitereien über die Bühne. Bildungsministerin Claudia Schmied betonte dabei neuerlich ihre "Hartnäckigkeit", mit der sie "Schritt für Schritt, Projekt für Projekt" ihre Vorhaben umsetzen wolle. Sie freute sich über die bisherigen Reformen, es sei aber noch viel zu tun, so Schmied.

Die drei Säulen der neuen Matura:

Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA): Die VWA darf in jedem (schulautonomen oder Wahlpflicht-) Gegenstand mit mindestens vier Jahreswochenstunden verfasst werden. Das Thema der 4.500 bis 6.000 Worte umfassenden Arbeit wird bereits gegen Ende der 7. Klasse mit dem Prüfer festgelegt. Während der Erstellung müssen Schüler wie Lehrer Protokoll über die Fortschritte führen, Abgabetermin ist am Beginn des Sommersemesters. Ein Lehrer darf maximal fünf Schüler bei der VWA betreuen; prinzipiell besteht freie Prüferwahl. Ein Lehrer kann ein Thema ablehnen, nicht aber einen Schüler. Wird die Arbeit mit "Nicht Genügend" bewertet, muss sie mit anderer Themenstellung bis zum Herbst wiederholt werden. Zu den schriftlichen und mündlichen Maturaterminen darf der Schüler dennoch antreten.

Schriftliche Maturaprüfung: Die Schüler können zwischen drei oder vier Klausuren wählen, verpflichtend sind Deutsch, Mathematik und die erste lebende Fremdsprache. Als vierte schriftliche Prüfung sind, je nach Schultyp, möglich: eine weitere Fremdsprache, Darstellende Geometrie, Physik oder Biologie. Damit die Leistungen aller Schüler vergleichbar werden, haben sie alle dieselben zentral vergebenen Aufgaben zu erledigen. Ausnahme ist Mathematik, wo es je nach Schultyp differenzierte Fragen gibt. Zur Benotung nutzen die Lehrer einen vorgegebenen Korrektur- und Benotungsschlüssel, anschließend wird die Arbeit noch vom Vorsitzenden der Prüfungskommission begutachtet. Einen "Zusatz" - also die Möglichkeit, eine negative schriftliche Arbeit durch eine mündliche Maturaprüfung auszubessern, wird es nicht mehr geben. Eine negative Klausurarbeiten kann im Rahmen einer zentral erstellten mündlichen Kompensationsprüfung ausgebessert werden.

Mündliche Maturaprüfung: Je nach Zahl der schriftlichen Klausuren müssen zwei bzw. drei mündliche Prüfungen abgelegt werden. Gewählt werden darf dabei aus allen Pflicht- oder Wahlpflichtgegenständen mit mindestens vier Wochenstunden. Die Fachlehrer der Schule stellen für jeden Gegenstand - je nach Jahreswochenstunden - mindestens drei, aber maximal 24 Themen zusammen. Aus diesem "Themen-Pool" eines Gegenstandes zieht der Schüler zwei Themen und muss sich für eines entscheiden. Dazu wird ihm eine vom Lehrer vorbereitete Frage gestellt. Die Prüfung dauert zehn bis 15 Minuten, so dass ein intensiveres Eingehen auf die Fragestellung möglich ist. Außerdem wird die Zusammensetzung der Prüfungskommission verändert und ein zweiter Fachprüfer bei der mündlichen Prüfung dabei sein. (APA/red)

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    Infografik: So funktioniert die "Zentralmatura".

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