Gegen Kreuzschmerz & Co

20. Oktober 2009, 09:31
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Global Year aganist Pain lenkt Aufmerksamkeit auf den Spitzenreiter unter den Schmerzerkrankungen - Präventivmaßnahmen sollen Chronifizierungen verhindern

Fast jeder kennt ihn, den Kreuzschmerz, der einen plötzlich lahmlegt. Falsch behandelt wird er - nur allzu oft - zur Dauerpein. Und er ist nur eine Spielart des Muskel- und Skelettschmerzes. Unter diesen Oberbegriff fallen auch Gelenkschmerzen, bedingt durch Arthrose, Rheuma, Knochenschmerzen, Muskelschmerzen, die Millionen Menschen betreffen. Chronischer Schmerz belastet die deutschen Sozialkassen mit rund 25 Milliarden jährlich. Die Aufmerksamkeit auf das weit verbreitete Leiden und die Möglichkeiten erfolgreicher Therapien zu lenken ist Ziel des Global Year against Pain 2009, das die Internationale Schmerzgesellschaft IASP (deutsche Sektion ist die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V.) ausruft.

Ärzte brauchen bessere Ausbildung

Kreuzschmerz ist der Spitzenreiter unter den Schmerzerkrankungen in Industrieländern. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass er bei frühzeitiger Mobilisierung vergeht wie eine Erkältung. Nur allzu oft wird dennoch Bettruhe verordnet, der Patient krankgeschrieben - Resultat einer mangelhaften Ausbildung der Ärzte, die ihr Medizinstudium absolvieren können, ohne je Schmerztherapie gelernt zu haben. "Wenn jeder Arzt die Grundlagen der Schmerztherapie beherrschte, würde sich so manche jahrelange Leidensgeschichte von vornherein vermeiden lassen", schätzt Hans-Raimund Casser, Vorstandsmitglied der DGSS. Als wichtigste Maßnahme betrachten die Spezialisten die Prophylaxe gegen chronische Schmerzen der Stütz- und Bewegungsorgane, insbesondere des Rückenschmerzes. "Es geht nicht um Perfektionierung der Verwaltung des chronischen Schmerzes, sondern die Vermeidung desselben.", so Casser. Dazu müssten insbesondere Anamneseerhebung, Kenntnisse über Chronifizierungsfaktoren und die orthopädisch-manualmedizinische Untersuchung in der Ausbildung und in der Facharztweiterbildung verankert werden. Wichtig sei außerdem, dass Leistungen wie etwa Aufklärungsgespräche, klinische Untersuchung und Chronifizierungsscreening angemessen vergütet werden.

Nur ein Team verspricht Erfolg

Bei Schmerzen des Bewegungs- und Stützapparats, die bereits chronisch geworden sind, helfen interdisziplinäre multimodale Therapieprogramme. Erfolgreiche Konzepte umfassen ein Behandlungsteam aus Ärzten, Psychotherapeuten, Ergo- und Physiotherapeuten, die den chronischen Schmerz als bio-psycho-soziales Problem betrachten und entsprechend ganzheitlich behandeln. "Wir müssen weg von der Kluft zwischen den Disziplinen und Berufsgruppen", so Casser. "Nur gemeinsam kann man etwas erreichen und die Lebensqualität der Patienten verbessern." Die Umsetzung solcher evidenzbasierter, interdisziplinärer Diagnostik- und Therapieprogramme in die Praxis müsse mit Anreizen belegt werden. Zudem fordern die Spezialisten die Förderung des Forschungsthemas "Muskelschmerz". "Muskelschmerz ist häufig der Kreuzungspunkt psychischer und körperlicher Symptomatik", erklärt Casser.

Aktivitäten der DGSS

Die DGSS plant im Global Year against Musculoskeletal Pain ein internationales Symposium mit einem Arbeitskreis "Muskel und Schmerz" im Juli 2010 in Mainz. Die Gesellschaft hat, unterstützt von vielen weiteren wissenschaftlichen Fachgesellschaften, ein Kerncurriculum Schmerztherapie veröffentlicht und den deutschen Medizinfakultäten zur Verfügung gestellt, das die wichtigsten Fakten über Schmerz und seine Behandlung in 14 Stunden vermittelt. Inzwischen ist es in vielen Fakultäten im Einsatz. (red)

Zum Global Year against Pain haben die Spezialisten Fact Sheets zu verschiedenen Schmerzarten und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, die online abrufbar sind:

Fact Sheets auf der Website der DGSS

Informationen zum Global Day/Year against Pain finden Sie auf der Website der International Association fort he Study of Pain (IASP)

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