Ölpreis über 80 Dollar

20. Oktober 2009, 12:40
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Mit dem Ölpreis geht es wieder rasant bergauf: Der schwache Dollar und die festen US-Aktienmärkte ließen den Preis auf ein neues Jahreshoch steigen

Frankfurt/New/York/London - Die Ölpreise kennen in den letzten Tagen nur eine Richtung: nach oben. Am Dienstag sind die Öl-Notierungen an den wichtigen Rohstoffbörsen in New York und London auf den höchsten Stand seit einem Jahr gestiegen.

US-Rohöl kostet derzeit rund 80 Dollar (53,6 Euro), die Nordseesorte Brent liegt mit etwa 78 Dollar (52,3 Euro) nur knapp darunter. Zu Jahresbeginn hatten die Ölpreise zeitweise unter 50 Dollar gelegen. Und obwohl die Preise am Ölmarkt seit nunmehr neun Tagen beständig zulegen, warnen viele Experten vor einer deutlichen Kurskorrektur nach unten.

Im Computerhandel der New Yorker Rohstoffbörse kletterte der Preis kurzfristig auf 80,05 Dollar, fiel dann aber zurück auf 79,34 Dollar für ein Barrel (je 159 Liter). Zu Jahresbeginn war Öl nur halb so teuer wie jetzt.

Grund für den anhaltenden Steigflug der Ölpreise waren zuletzt überwiegend robuste Unternehmenszahlen aus den Vereinigten Staaten. In der Folge knackte der wichtige Aktienindex Dow Jones die 10.000-Punkte-Marke und notiert damit auf dem höchsten Stand seit einem Jahr. In diesem Fahrwasser legten auch die europäischen und asiatischen Börsen kräftig zu. Dies hob die Stimmung der Investoren am Ölmarkt und lies damit die Ölpreise steigen.

Schwacher US-Dollar

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den sehr schwachen US-Dollar. In den letzten Wochen verlor die amerikanische Währung insbesondere zum Euro spürbar an Wert. Derzeit kostet ein Euro knapp 1,50 Dollar und damit so viel wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Schwäche der US-Währung verbilligt Rohöl für Investoren außerhalb des Dollarraums und stützt damit die Nachfrage nach Rohöl. Allerdings verweisen nicht wenige Experten auch auf Spekulationen am Ölmarkt. Viele Anleger setzen demnach darauf, dass der aktuelle Konjunkturoptimismus durch positive US-Unternehmenszahlen weiter geschürt wird.

Auf der anderen Seite sehen Ökonomen gerade in den Gründen für den jüngsten Ölpreisanstieg auch große Rückschlagsgefahren. So deute vieles darauf hin, dass der Dollar bald wieder bessere Zeiten sehen und aufgewertet werde, sagt Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Außerdem dürften es die Aktienmärkte schwer haben, ihre kräftigen Kursgewinne ohne weiteres zu verteidigen, warnt der Fachmann.

Darüber hinaus sprechen auch "hausgemachte" Faktoren an den Ölmärkten für eine Kurskorrektur. So gilt es als absehbar, dass die zuletzt rekordhohen Rohölimporte Chinas wieder zurückgehen. "Vor diesem Hintergrund ist eine Korrektur des Ölpreises auf 65 Dollar bis zum Jahresende nicht unwahrscheinlich", sagt Schallenberger. Außerdem verweisen Experten seit Wochen auf die anhaltend hohen Lagerbestände an Rohöl und die vergleichsweise schwache Auslastung der Öl-Raffinerien.

Die Commerzbank sieht Dämpfer vor allem auf der Konjunkturseite. "Kommt es hier zu Enttäuschungen, dürfte der Ölpreis korrigieren", sagte Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Zuletzt hatte die globale Konjunktur deutliche Anzeichen einer Stabilisierung gezeigt, nachdem sie infolge der Finanzkrise in die tiefste Rezession der Nachkriegszeit gestürzt war. Trotz dieser hoffnungsvollen Signale werden Ökonomen aber nicht müde, vor zumindest zeitweisen Rückschlägen in der Wirtschaftsentwicklung zu warnen. Dies würde sich negativ auf die ohnehin schwache Ölnachfrage auswirken, was die Ölpreise unter Druck setzten dürfte. (APA/AP)

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