Brütal Legend: Metal of Honor

24. Oktober 2009, 13:17
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Jack Black, Ozzy Osbourne und die skurrile Welt der Headbanger - Eine sympathische, etwas kurz geratene Hommage

Wo sind bloß die echten Rocker geblieben? Dürre Twens rappen und kreischen zu schrillen E-Gitarren-Soundfetzen, das gleichaltrige Publikum hüpft anstatt mit dem Kopf zu wippen. Aus Sicht des Roadies Eddie Riggs (gespielt und nachempfunden von Schauspieler Jack Black) ist der Wandel seiner einstigen Lieblingsmusik der pure Horror. Der grobschlächtige Muskelprotz mit Nietenarmband und finsterer Mine wünschte, er könnte zurück in die 1970er-Jahre reisen und seinen Ikonen dienen, anstatt für Grünspäne das Mädchen für alles zu spielen.

Metalland

Dazu kommt es nicht. Doch als bei einem Bühnenauftritt ein tragischer Zwischenfall Riggs scheinbar das Leben kostet, wird der Roadie in eine düstere Parallelwelt versetzt, in der Dämonen die Menschheit unterjocht haben. Die Straßen sind mit Gebeinen gepflastert, Lava, hügelige Felder und spitze Berglandschaften prägen das Bild. Aufgewacht im Temple of Ormagöden und ausgestattet mit einer Doppelaxt "The Separator" und einer Blitze schießenden E-Gitarre „Clementine" weiß sich der schlagkräftige Rüpel rasch zu wehren.
Dabei warnt ein Hinweisdialog gleich zu Beginn: Zimperlich geht es nicht zur Sache. Die Fäkalausdrücke in den witzigen, markigen Dialogen lassen sich überpiepsen, Splatter-Effekte zensurieren. Aber wer will das schon in einem Comic, der die lautesten und berüchtigsten aller Musiklegenden aufs Korn nimmt?

Zusammen gegen das Böse

Aber zurück zur knackigen, wenngleich sehr kurzen Handlung von Tim Schafers neuestem Geniestreich "Brütal Legend". Riggs bekommt nach den ersten Axtschwüngen durch die Skelette schwebender Kuttenträger alsbalb Schützenhilfe von der kecken „Ophelia", die der letzten und dreiköpfigen Widerstandsgruppierung der Menschen angehört. Ein paar hundert Blutspritzer später rast man im Hot-Rod zu den verbleibenden Herr- und Frauschaften der Truppe, um den Plan gegen den Oberbösewichten „Doviculus" und dessen General „Lionwhyte" sowie dessen Mannen zu besiegeln.

Magie und Strategie

Riggs hat bei seiner Transformation ein paar praktische Fähigkeiten mitbekommen. So kann er durch das Nachspielen von okkulten Symbolen unter anderem den Hot-Rod herbeizaubern. Als Roadie ist er nicht nur hart im Nehmen und Austeilen, sondern auch ein Organisationstalent. Mit einer magischen Tonfolge weckt er die Rockerseelen in den Gefangenen, die in den Kerkern der Dämonen zur Zwangsarbeit verdonnert wurden. Die „Headbanger" (den Namen haben sie von ihrer Tätigkeit, mit dem blanken Kopf Steine metzen zu müssen) folgen den Befehlen des Roadies. So kann man die treuen Schläger gegen die fiesen Monster in den Kampf schicken oder Stellungen verteidigen lassen, während man sich selbst um Probleme kümmert. So vermengen sich die Elemente Hack ‘n Slay und Strategie und sorgen auf überschaubarem Niveau für etwas spielerische Abwechslung.

Große Fantasie, kurz gelebt

So reist man als Riggs mit dem Vehikel unter dem Hintern und der Axt in der Hand durchs frei erkundbare Gothic-Land, um die Menschen zu. Dabei stößt man nicht bloß auf wilde, grasende Kreaturen, sondern auch auf so allerlei Metal-Relikte. Neben zahlreichen Anspielungen auf groteske Gepflogenheiten der Szene, trifft man auf den einen oder anderen Fiktion gewordenen Superstar. Ozzy Osbourne schlüpft in die Rolle des Guardian of Metal. Überschurke Doviculus wird von Schauspieler Tim Curry zum Leben erweckt. Untermauert wird das darstellerische Aufgebot vom großartigen Soundtrack, der heiße Klänge von Motörhead, Slayer und zig Bands bereit hält, die sich der Normalsterbliche ob der Vielfalt niemals merken wird.

Nicht nur Metal-Fans werden reichlich Freude an den schnittigen Zeilen und dem schwarzen Humor haben. Schade ist, dass man bei der Verfolgung des Haupthandlungsstrangs einen Gutteil der von Gothic und Hieronymus Bosch inspirierten Welt komplett auslassen kann. Wer mehr vom Spiel haben möchte, sollte die vielen, obgleich repetitiven Nebenmissionen wahrnehmen.

Hand in Hand

Eine weitere Möglichkeit, tiefer in das fröhlich-düstere Universum abzutauchen, ist die gemeinsame Erörterung der auch in der Story eingebundenen „Stage Battle". Hier geht der Konsolen-Echtzeitstratege auf. Ob Riggs oder Unterwelt-General, hierbei stehen sich riesige Heere aus todesmutigen Fans gegenüber . Als Kommandant kann man neue Einheiten ausbilden, bzw. für sich gewinnen und sie mit einfachen Befehlen in die Schlacht schicken. Man darf sich sogar Flügel wachsen lassen, um das Gefecht aus der Vogelperspektive überblicken zu können. Ziel ist es die gegnerische Bühne zu zerstören.
Während Stage Battle im Single-Player meist durch die simple Überrumpelung des Feindes gewonnen werden, entwickeln sie sich im Kampf Mensch gegen Mensch zum modernen Schachspiel. Die gemeinsamen Partien bilden das absolute Highlight aus spielerischer Sicht.

Fazit

Die Story ist herzhaft erzählt und eine Hommage an die „gute alte Zeit" des Heavy Metals. Wenn man eine Analogie zum Hauptinstrument bemühen möchte, dann sind die Charaktere die sattelfesten Stege, auf denen die knackigen Dialoge so schrill wie Stahlseiten schwingen. Die Kampagne ist gerade deshalb viel zu kurz geraten. Spielerisch darf man sich en gros nichts Spektakuläres erwarten. Hier begeistern lediglich die Mehrspieler-Matches auf Dauer. Zum empfehlenswerten Erlebnis wird Brütal Legend nicht zuletzt dank des einzigartigen Stils, der Soundtrack tut sein übriges.

(Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 25.10.2009)

  • Brütal Legend (Doublefine/EA) ist für Xbox 360 und PlayStation 3 erschienen
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