ÖBB prüfen Alkoholverbot in ausgewählten Zügen

20. Oktober 2009, 09:38
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Nach zunehmenden Kundenbeschwerden soll auf ausgewählten Strecken der Alkoholkonsum verboten werden

Die ÖBB denken über ein Alkoholverbot während Zugfahrten nach. Konzernsprecher Alfred Ruhaltiger bestätigt gegenüber derStandard.at einen entsprechenden Bericht der "Kronen-Zeitung". Nach zunehmenden Kundenbeschwerden soll aller Voraussicht nach noch heuer mit einem entsprechenden Pilotprojekt in Tirol und Vorarlberg begonnen werden. Betroffen sei ausschließlich der Nah- und nicht der Fernverkehr, so Ruhaltiger. Letztendlich könnte das Konzept auf ein selektives Alkoholverbot etwa zu Großverantstaltungen und in den Abendstunden hinauslaufen.

Verkehrsministerin Doris Bures sah keinen Grund für eine gesetzliche Regelung in Sachen Alkoholverbot in den ÖBB-Zügen. Es gäbe jetzt schon, wie in der Gastronomie, auch in der Bahn die Möglichkeit, an Betrunkene keinen Alkohol auszuschenken, sagte Bures vor dem Ministerrat am Dienstag. Die Fahrgäste sollten jedenfalls nicht von Alkoholisierten belästigt werden.

Diskussion in Deutschland

Die Diskussion um ein Alkoholverbot nahm bei der deutschen Privatbahn "Metronom", die in Niedersachsen 90.000 Passagiere pro Jahr befördert. Diese will ab 15. November ein Alkoholverbot in ihren Zügen einführen. Laut Berger überlegt auch die Deutsche Bahn in dieser Richtung.

Kritisch äußerte sich dazu allerdings die deutsche Bahngewerkschaft GDBA: Es sei gut und richtig, dass man darüber nachdenke, wie die Sicherheit in Zügen verbessert werden könne, sagte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel laut AFP am Dienstag im Morgenmagazin des ZDF. Allerdings stehe nicht genügend Personal zur Verfügung, um ein Alkoholverbot zu kontrollieren. "Verbote helfen wenig, wenn man sie nicht umsetzen kann", sagte Hommel.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte zuvor ein teilweises Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen gefordert. "Es muss über ein Verkaufsverbot von Alkohol an Bahnhöfen, wenn zum Beispiel Fußballchaoten zu den Spielen unterwegs sind, nachgedacht werden", sagte Gewerkschaftschef Konrad Freiberg der "Bild"-Zeitung vom Montag. Zudem müsse kontrolliert werden, dass Fahrgäste keinen Alkohol mit in die Bahnen nähmen. Eine Bahn-Sprecherin erklärte in Berlin zu der GdP-Forderung, die Bahn stehe der Diskussion um ein Alkohol-Verbot im öffentlichen Nahverkehr offen gegenüber. (APA/red)

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    Kein Bier mehr in den Zügen: Die ÖBB können sich das vorstellen.

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