Island will seine Bankschulden zurückzahlen

19. Oktober 2009, 18:36
4 Postings

3,8 Milliarden Euro gehen an England und die Niederlande

Reykjavík - Islands Regierung hat sich mit ihren britischen und niederländischen Gläubigern auf die Rückzahlung milliardenhoher Bankschulden geeinigt. Wie Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir in Reykjavík ankündigte, soll eine entsprechende Vereinbarung von den Finanzministern unterzeichnet werden. Reykjavík muss demnach 3,8 Milliarden Euro - das sind mehr als zwei Drittel des isländischen Staatshaushaltes - bis 2024 an die Staatskassen von Großbritannien und den Niederlanden überweisen - die dortigen Regierungen hatten Kunden der 2008 kollabierten isländischen Internetbank Icesave aus ihren Ländern mit diesem Betrag entschädigt.

Wegen des Streits um die Rückzahlung hat sich die von Island dringend benötigte Auszahlung von Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF) verzögert. Die Atlantikinsel ist nach dem Zusammenbruch des lokalen Bankensystems besonders hart von den Folgen der Finanzkrise betroffen.

In Österreich hat die isländische Direktbank Kaupthing bereits vor einem Jahr an ihre rund 200 bis 300 Kunden die Einlagen in Höhe von rund drei Mio. Euro zurückgezahlt.

Island-Milliarden fehlen 

Von der Island-Pleite wurden auch die österreichischen Großbanken hart getroffen, die in Island stark investiert waren. Vom Drei-Milliarden-Island-Obligo der heimischen Banken sei erst eine Milliarde aufgetaucht, stellte Rainer Münz, Forschungschef der Erste Group, kürzlich fest. Von den Großbanken haben, wie berichtet, vor allem Raiffeisen Zentralbank, Erste Group, ÖVAG und die mittlerweile notverstaatlichte Kommunalkredit Abschreibungen auf ihre Island-Papiere bekanntgegeben, in kleinerem Ausmaß auch Bawag und Bank Austria.

Die Frage sei laut Münz daher: "Wo ist der Rest?". Ob diese Frage nach den Bilanzen fürs heurige Jahr öffentlich geklärt sein wird, ist offen. Münz: "Wer nicht börsennotiert ist, muss das nicht sagen." Internationale Institutionen wie der IWF rechnen damit, dass vom finanzkrisenbedingten Abschreibungsbedarf bisher weltweit erst die Hälfte in den Bilanzen der Banken erfasst ist. (dpa, APA, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2009)

Share if you care.