Kanzlerformat

19. Oktober 2009, 18:35
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Faymann...also Faymann macht Fehler, die man nicht für möglich halten möchte

Was mit der SPÖ los ist? Darüber könnte man ein soziologisch abgestütztes Buch schreiben. Die kurze Antwort ist: Was mit der SPÖ los ist, sieht man daran, dass es ihr seit über zehn Jahren nicht gelingt, jemanden zu präsentieren, der als Kanzler akzeptiert wird. Franz Vranitzky war der letzte, dem abgenommen wurde, das Format für einen Regierungschef zu haben. Seither will es keinem gelingen.

Das ist kein letztgültiges Urteil über die Herren Viktor Klima, Alfred Gusenbauer und Werner Faymann. Der Anschein muss nichts mit der Realität zu tun haben. Aber der Anschein zählt in der Mediengesellschaft. Klima betete angelernte Slogans herunter und setzte sich weder gegen die Gewerkschaft noch gegen Wolfgang Schüssel durch; Gusenbauer hatte das intellektuelle Format, aber keine Lust (und wohl auch nicht die Fähigkeit), "die Menschen" nicht seine geistige Überlegenheit spüren zu lassen. Faymann...also Faymann macht Fehler, die man nicht für möglich halten möchte. Nicht zur Eröffnung des neuen EU-Hauses zu gehen, zeigt ein Missverständnis von dem, was ein Kanzler tut und nicht tut, das fassungslos macht. Ob das noch etwas wird? (Hans Rauscher, DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2009)

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