Salzburger Berge in Moskauer Skihalle

19. Oktober 2009, 18:32
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Vorausbuchungen aus Russland liegen zehn Prozent über dem Vorjahresniveau

Moskau - Vom Moskauer Stadtzentrum in die Salzburger Berge ist es nicht weit: rund 23 Kilometer mit dem Auto oder zehn Stationen mit der Metro. Dort, im Nordwesten der Stadt, ragt inmitten von tristen Plattenbausiedlungen ein riesiger Stahlkoloss 100 Meter in den Himmel. In der auf 15 Säulen stehenden Halle befindet sich eine Dependance des Salzburger Tourismusverbandes: das erste Indoor- skigebiet Russlands.

Auf einer 400 Meter langen und 60 Meter breiten Piste ziehen Skifahrer und Snowboarder vor der Kulisse der Salzburger Berge ihre Kurven in den Kunstschnee. Die Salzburger Tourismusgesellschaft hat im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Moskauer Skihalle Snej.com die Wände der Halle mit einem der größten Werbebanner der Welt zugepflastert.

Mit der Kooperation wollen die drei Skigebiete Saalbach-Hinterglemm, Gastein und Zell am See/Kaprun den russischen Markt vor Ort stärker bearbeiten. "Russland ist ein kleiner, aber lukrativer Markt", sagt Leo Bauernberger, Geschäftsführer der Salzburger Land Tourismusgesellschaft. 2008 wurden in Salzburg 50.000 Gäste aus Russland und 200.000 Nächtigungen verzeichnet. Mit täglichen Ausgaben von 300 bis 500 Euro gibt der russische Urlauber mehr als jeder andere Gast aus.

Die Salzburger lassen sich die Marketingaktivitäten in der Skihalle einiges kosten. Wie viel genau, wollte Bauernberger auf Grund einer Stillschweigevereinbarung mit den Eigentümern der Halle nicht sagen. Zur Saisoneröffnungsveranstaltung Mitte Oktober wurden eigens Salzburger Skilehrer und Köche nach Moskau eingeflogen.

Schon an der Entstehung der Moskauer Skihalle, die im März 2008 eröffnet wurde, war das Salzburger Land beteiligt. Snej.com entstand nach den Plänen der Skihalle in Neuss in Deutschland, an der die Salzburger einen Anteil halten. Snej.com gehört laut russischen Medien einem Joint Venture aus SU-155, der drittgrößten Moskauer Baufirma, und einem weiteren Investor, der jedoch anonym bleiben will.

Auch sonst steckt viel österreichisches Know-how in der 160 Millionen Euro teuren Skihalle: Der Vierer-Sessellift stammt von Doppelmayr, die Pistenraupe von Kässbohrer, die Leihski von Fischer und Atomic und die Sicherheitsnetze von Meingast.

Aussicht auf gute Saison 

Nach der Krisenstimmung im vergangenen Herbst ist Emanuel Lehner, Geschäftsführer der Österreich Werbung in Russland, für den kommende Winter optimistischer: "Die russischen Reiseveranstalter haben zehn Prozent mehr Kontingente eingekauft als im letzten Jahr." Bauernberger rechnet mit keinem Rückgang der Buchungen. "Russland hat in den vergangenen 15 Jahren immer wieder Krisen erlebt und sich daher stimmungsmäßig schneller erholt als westliche Länder", sagt Bauernberger. (Verena Diethelm, Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2009)

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