Häupl übt Gelassenheit

19. Oktober 2009, 18:20
43 Postings

Lieber die absolute Macht so lang wie möglich auskosten, statt sich vorzeitig aufzuregen

Michael Häupl hat sich festgelegt: Er will nicht früher als unbedingt nötig wählen lassen. Die Partei hat seine Entscheidung - wie hätte es auch anders sein können - einstimmig akklamiert. Der Wiener Bürgermeister, der es nach eigenem Bekunden im Oktober 2010 "noch einmal wissen" will, hat mitten in die momentane rote Panikstimmung ein Zeichen der Gelassenheit gesetzt: Lieber die absolute Macht so lang wie möglich auskosten, statt sich vorzeitig aufzuregen.

Die Überlegung ist klar: Viele "Goodies", welche die Wiener SPÖ gerade eingeführt hat - Gratiskindergarten, Ordnungskräfte in der U-Bahn, Streitschlichter im Gemeindebau - werden die Wiener wohl erst allmählich wahrnehmen. Und vielleicht gibt es ja eine Mini-Chance, dass die Wirtschaft sich bis dahin ein bisschen erholt hat und zumindest die allgemeine Stimmung in Stadt und Land besser wird.

Allerdings gibt es das Risiko, dass sich die FPÖ innerhalb eines Jahres noch mehr hochschraubt und ihre Anti-Ausländer-Kampagne an Momentum gewinnt. Möglich ist auch, dass andere Bundesländer vor Wien wählen - und der SPÖ herbe Verluste bescheren. Dann wäre das Kalkül des Wiener Bürgermeisters, möglichst viel Abstand zwischen sich und die letzten verlorenen Wahlen zu bringen, zunichte.

Die Chancen dafür stehen gut - in der momentan ziemlich konfusen SPÖ zieht jeder nur an seinem eigenen Strang. Dann wird Häupl die Gelassenheit, die er jetzt gerade übt, dringend brauchen. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2009)

Share if you care.