Stadt Salzburg sperrt Altenheime für Ausländer

19. Oktober 2009, 18:25
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    foto: corn

    Geschlossene Gesellschaft:Wer in einem Salzburger Altersheim einen Platz braucht, darf nur im Härtefall aus der Türkei, Bosnien oder Serbien stammen.

Nach Protesten sollen jetzt zumindest "Härtefälle" vermieden werden - Andere Städte agieren weitaus liberaler

Salzburg - Der Beschluss, den der Sozialausschuss des Salzburger Gemeinderates mit den Stimmen von Sozialdemokraten, ÖVP und Freiheitlichen gefällt hat, ist brisant: Alle Salzburger, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen oder die nicht aus dem EU- beziehungsweise dem EWR-Raum kommen, werden in den städtischen Altenheimen grundsätzlich nicht aufgenommen. Egal wie lange die (zumeist) Bosnier, Serben oder Türken schon legal im Land sind.

Nur die Bürgerliste hat sich gegen die Absicht der anderen Fraktionen gestemmt, die am 4. November vom Gemeinderatsplenum offiziell abgesegnet werden sollte: "Sollen wir Leute, die seit Jahrzehnten in Salzburg leben, in Alter und Krankheit wieder in ihre ehemaligen Herkunftsländer zurückschicken?" , so die rhetorische Frage der Bürgerliste zu den "menschenverachtenden" Richtlinien. Den Hinweis vonseiten der anderen Parteien, die Gastarbeiter könnten ja um die Staatsbürgerschaft ansuchen, hält man dort für "zynisch" . Das Verfahren sei kompliziert und teuer, der Ausgang oft höchst ungewiss.

Der ressortzuständige Vizebürgermeister Martin Panosch (SPÖ) hingegen verteidigt im Standard-Gespräch die Entscheidung. Mit den Richtlinien zur Heimplatzvergabe würde man nur die bisherige Praxis "verschriftlichen" . Außerdem wäre die Debatte - auch Menschenrechtsorganisationen hatten wütend protestiert - eine "akademische" : Bis dato hätte noch kein einziger Bürger aus einem Drittstaat um einen Platz in einem Seniorenheim angesucht. Es gebe keine Nachfrage, da die Menschen im Alter entweder in ihre Herkunftsländer zurückkehrten oder im Verband der Großfamilien versorgt würden.

Trotzdem rückt die SPÖ unter dem Eindruck der - auch parteiintern formulierten - Kritik von ihrer restriktiven Haltung etwas ab. Man werde zwar "nicht zurückrudern" , so Panosch, aber die umstrittenen Richtlinien so umformulieren, dass es nicht zu "Härtenfällen" kommen könne. Dass die Salzburger SPÖ die Vergaberichtlinien zumindest humanitär aufweichen will, könnte mit einem Blick über die Stadtgrenzen hinaus zu tun haben. Österreichweit würde man nämlich ziemlich allein dastehen.

Salzburger Alleingang

In Wien etwa bekommen auch Nicht-EU-Bürger einen Platz in einem städtischen Seniorenheim - vorausgesetzt, sie verfügen über eine Daueraufenthaltsbewilligung. Außerdem müssen sie - so wie alle anderen Anwärter auf einen Pflegeplatz in Wien - seit mindestens sechs Monaten in der Hauptstadt gemeldet und Pflegegeldbezieher der Stufe 3 sein. Auch in Innsbruck stehen die Heime Bürgern aus Drittstaaten offen. Ähnliches gilt für die Salzburgs Nachbarstadt Hallein.

Und in der Steiermark sind Pflegeheime ebenfalls grundsätzlich für jeden geöffnet, "sobald eine Pflegebedürftigkeit auftritt" . Das ist im 1997 beschlossenen Sozialhilfegesetz geregelt. Demnach hat jede Person, die sich in Österreich aufhält, auch Asylwerber, ein Recht auf einen Platz, wie ein Sprecher des neuen Sozialandesrates Siegfried Schrittwieser (SP) dem Standard bestätigt: "Das wurde bitte einstimmig mit den Stimmen der FPÖ beschlossen."

Das wiederum dürfte der FPÖ an der Salzach nicht bekannt sein. Hier sehen die Blauen schon die Härtefälleregelung der SPÖ als "Kniefall vor den Grünen" . Die Volkspartei setzt ebenfalls auf Härte: Man lehne "eine Quotenregelung für Ausländer, also auch eine Härtefallregelung exklusiv für Ausländer ab" , sagt ÖVP-Gemeinderatsklubobmann Christoph Fuchs. Ausnahmen dürfe es lediglich geben, wenn dies auch für alle anderen Betroffenen gelte - also vor allem auch für EU-Bürger. (cms, neu, ver, stem/DER STANDARD-Printausgabe, 20.10.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 224
1 2 3 4 5
no ja
00
30.10.2009, 12:00
spoe und fpoe in ausländerfragen im gleichschritt

ob linz oder salzburg oder burgenland: es beginnt eine nationale sozialistische Kooperation, und die oevp tut mit, denn das gesicht verliert die spoe

Chrischarn
23
23.10.2009, 16:05
"Bis dato hätte noch kein einziger Bürger aus einem Drittstaat um einen Platz in einem Seniorenheim angesucht"

Viel Lärm um Nichts, also!
Bleibt die Frage, warum die Sozialisten sich freiwillig ins rechte Eck stellen, anstatt die Angelegenheit im Anlassfall mit Augenmaß und Menschlichkeit zu regeln? Die Probleme mancher Politiker möchte ich gerne haben...

mehmetali erbil
96
20.10.2009, 20:07
Jawoll. Das ist Europa

Willkommen in Europa. Wie kann man mit alten Menschen so umgehen. Ich wünsche jedem der solche Entscheidungen begrüsst keinen Platz im Altersheim sondern auf der Strasse.

Chien de Pique
23
21.10.2009, 17:00

Ich finde die Entscheidung auch unbarmherzig umd entbehrlich, zumal weit ärmere Städte es sich offenbar bequem leisten können, auch NichtstaatsbürgerInnen aufzunehmen. Nur muss Ihnen schon eines klar sein:
Heimplätze sind nicht nach Belieben zu vermehren; für jeden, der aufgenommen wird, muss ein andererer tatsächlich abgewiesen werden - und die Wartenden bekommen ihre Chance erst wieder, wenn ein Platz durch Tod freigeworden ist.
Insofern wird das Keinen-Platz-Bekommen, durch eine großzügigere Handhabung für einen selbst unter Umständen tatsächlich wahrscheinlicher.

Peter Hammer 06
01
30.10.2009, 11:21
Sie agieren in guter Nestroy-Manier....

..."Wer is' stärker I ( unbarmherzig, entbehrlich) oder
I ( die unbarmherzige Entscheidung lässt' Sie froh in die Heimplatzzukunft sehen)

Chien de Pique
10
30.10.2009, 18:55

Da ich kein Salzburger bin - und nicht vorhabe, dorthin zu ziehen, ist es mir herzlich egal, was dort passiert.
Ich wohne in einer der Städte, wo die Heime auch für MigrantInnen offen sind, und habe damit kein Problem.

suboptimal
 
32
22.10.2009, 21:45
Frage der Prioritäten

Klar sind Heimplätze vermehrbar.

Für jeden anderen Schas haben sie ja auch Geld.

Chien de Pique
11
22.10.2009, 22:19

Sie haben unser Geld.

Die Internationale
 
73
20.10.2009, 18:20
Traut ihr euch noch zu singen:

"Die Internationale erkämpft das Menschenrecht"?

Oder habt ihr Letzteres schon an der Garderobe des "blaunen" Populismus abgegeben, Genossinnen und Genossen?

In aller FREUNDSCHAFT...!!!


ChrC1
 
11
22.10.2009, 23:28
die internationale ist

ohnehin nicht unbedingt sozialdemokratisches sangesgut - dann schon eher "wenn wir schreiten seit' an seit'" - wobei die spö in salzburg angesichts solcher aktionen freilich schon mehr 'mit ruhigem festen tritt' in richtung 'die reihen fest geschlossen' marschiert.

Peter Hammer 06
00
30.10.2009, 11:29
Halber Einspruch : Die Internationale ist....

...sozialistisches ( sozialdemokratisches ) Gut.
Mit dem Rest haben Sie leider recht.

vox p.
210
20.10.2009, 17:40
Stadt Salzburg sperrt Altenheime für Ausländer

Aber wer betreut dann die Alten?

Mucosaprolaps
114
20.10.2009, 16:46

Ich seh's schon vor mir ....

Im Postamt: Ein Ausländer-Schalter und drei für Inländer.
U-Bahn? Die hintersten 8 Sitzplätze in jedem Abteil sind für Ausländer; der Rest der U-Bahn nur für Inländer; mit Ausweiskontrollen.
...

Peter Hammer 06
01
30.10.2009, 13:48
Und wieder ein unterdrückter Beitrag! Meine...

...Stricherlliste für Gestrichene wird immer länger ( heute wieder 4 Stück) Halt eine Qualitätszeitung.

Dante Alighieri
112
20.10.2009, 16:44

Widerlich!

Kelborn
12
20.10.2009, 16:14
Sozialdemokraten

Sozialdemokraten eben... soweit sind die schon.

Andronikos
11
20.10.2009, 18:17
Ja...

... und die Konserven waren immer schon dort.

ulli52
 
13
20.10.2009, 16:03
an die spö

sozial:
(von lat. socius‚ gemeinsam, verbunden, verbündet)
„sozial“ bedeutet den Bezug einer Person auf eine oder mehrere andere Personen; dies beinhaltet die Fähigkeit (zumeist) einer Person, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können, das Wohl Anderer im Auge zu behalten (Altruismus) oder fürsorglich auch an die Allgemeinheit zu denken.
(vgl. wikipedia)

Feldschwirl
00
21.10.2009, 14:44
„sozial“ bedeutet den Bezug einer Person auf eine oder mehrere andere Personen;

so gesehen ist auch ein raub sozial

che_guevara2
01
20.10.2009, 19:05

na von sozial kann man bei der spö eh schon lange nicht mehr sprechen...

sollten sich eher aspö nennen (asozial)

Schwlbe
42
20.10.2009, 15:53
pflegen - oder gepflegt werden, das ist hier die frage.


etwas weniger polemisch: integration oder ausschluss? wie kann man aktive integration erwarten, wenn man plant am ende den lebens die menschen in den "schoss" ihrer familien zurück zu stossen?! gar nicht. schon rein praktisch.

etwas neugieriger: könnte seitens der österreichischen bevölkerung eine verdeckte eifersucht herrschen? auf die aussicht, das alter unter südlicher sonne bei der familie verbringen zu könnnen? wäre es möglich, dass hinter dem hass auf fremde die angst vor dem einsamen alter im grausligen grauen heim steckt?

fibiundchillie
00
20.10.2009, 16:00

das ist ne buchhalterische Entscheidung, ne dumme, sonst nichts.
btw: Was hat Sie so verbittert?

Jr Ewing
00
20.10.2009, 15:46

Nein, so geht das nicht

alles neu macht der mai
02
20.10.2009, 15:39
Sehr geehrter Herr Schaden,

ich zitiere:

Das Salzburger Gleichbehandlungsgesetz

Die Gleichbehandlungsgesetze für Österreich und Salzburg bieten eine gute Grundlage um Diskriminierungen wirkungsvoll zu verhindern. Sie gelten für die Bereiche der Erwerbsarbeit, der Ausbildung aber auch für Dienstleistungen der öffentlichen Hand.
Im Salzburger Gleichbehandlungsgesetz sind sieben Dimensionen verankert:

* Alter
* Behinderung
* Ethnische Herkunft
* Geschlecht
* Religion
* Sexuelle Orientierung
* Weltanschauung

Keine Person darf aufgrund ihres Alters, ihrer Behinderung, ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Weltanschauung diskriminiert werden.

Siehe
http://www.stadt-salzburg.at/

Chien de Pique
03
20.10.2009, 23:50

Staatsbürgerschaft wird hier aber gerade NICHT genannt, wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist - und das ist tatsächlich das einzige Kriterium, das hier zutreffend ist.

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