Impfstoff unterwegs nach Österreich

19. Oktober 2009, 21:18
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Empörung über "Zweiklassenmedizin" in Deutschland

Wien/Berlin - Der von Österreich bestellte Schweinegrippe-Impfstoff ist bereits unterwegs, wurde Montagabend der Austria Presseagentur bestätigt. Gesundheitsprofessionisten sind die Ersten, die am 27. Oktober zur Massenimpfung antreten dürfen. Ab 9. 11. ist dann der Rest der Bevölkerung dran, zuerst werden chronisch kranke Personen und Schwangere bevorzugt. Die Kosten für die freiwillige Impfung übernehmen die Krankenversicherungen, bezahlt werden muss lediglich die Rezeptgebühr.

Für Politiker gibt es, im Gegensatz zu Deutschland, in Österreich keine Extrawürstel. In der Alpenrepublik gibt es ausschließlich den Baxter-Impfstoff Celvapan, bestätigte am Montag Thomas Geiblinger, der Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger, auf Standard-Anfrage. Falls notwendig, können 16 Millionen Dosen geliefert werden. Celvapan kommt ohne verstärkende Zusatzstoffe aus, enthält dafür aber eine größere Konzentration an inaktivierten Schweinegrippe-Viren.

In Deutschland hingegen sorgt die Impfaktion gegen die Schweinegrippe für große Aufregung. Seit Montag werden bundesweit 50 Millionen Dosen Pandemrix, hergestellt von der Firma GlaxoSmithKline (GSK), an Ärzte und Gesundheitsämter ausgeliefert. Das ist das Serum für das "normale Volk" . Doch es gibt eben auch Celvapan aus dem Hause Baxter. Von diesem hat die Regierung 200.000 Dosen bestellt - für die Bundeswehr, für Beamte und für Politiker.

Regierung und Hersteller versichern zwar, dass beide Mittel den gleichen medizinischen Nutzen haben. Doch Celvapan, jenes für die "Elite" , hat angeblich weniger Nebenwirkungen. Laut Innenministerium der pure Zufall. Man sei gezwungen gewesen, bei Baxter einzukaufen, da der Bund mit der Firma seit mehreren Jahren einen Liefervertrag für Impfstoffe hat.

Zwar beteuert Kanzlerin Angela Merkel, auch sie werde das "Volks-Serum" nehmen, doch die Empörung ist groß. "Dieser Vorgang ist äußert unglücklich. Es entsteht der Eindruck einer Zweiklassenmedizin" , kritisiert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Zweierlei Impfstoffe für Regierung und Bevölkerung ist das falsche Signal" , sagt auch Ulrike Mascher, Chefin des Sozialverbandes VdK.

Als naturheilkundliche Alternative bieten Ärzte übrigens auch die Paracelsus-Grippe-Prophylaxe an. Diese immunstimulierende Spritze wirkt gegen alle infektiösen Krankheiten und muss im Lauf des Winters dreimal verabreicht werden. Allerdings ist sie nicht gratis.  (Birgit Baumann/Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2009)

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    Gesundheitsprofessionisten sind die Ersten, die am 27. Oktober zur Massenschweinegrippeimpfung antreten dürfen. Ab 9. November ist dann der Rest der Bevölkerung dran.

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