Rare Spezies: Wiener Philharmonikerin

14. Oktober 2009, 10:05
3 Postings

Der Frauenanteil im Staatsopernorchester beträgt nur 4,79 Prozent

***

Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt gab es große Aufregung: Weil die Wiener Philharmoniker ein reiner Männerbund waren. Im März 1998 sparte unter anderem auch die "Los Angeles Times" nicht mit Kritik: "Das Orchester pfeift noch immer auf Spieler, die nicht weiß und männlich sind." Und die "National Organisation for Women" warf den Philharmonikern eine "rassistische und frauenfeindliche Philosophie" vor.

Damals gab es nur eine einsame Quotenfrau: die Harfenistin Anna Lelkes. Sie ist mittlerweile in Pension. Sind die Männer daher wieder unter sich? Mitnichten! Gegenwärtig gibt es schon drei echte Philharmonikerinnen: Isabelle Ballot Caillieret (Erste Violine), Ursula Plaichinger (Zweite Violine) und Charlotte Balzereit (Harfe).

Drei Frauen unter rund 120 Männern – das klingt natürlich kümmerlich. Demnächst könnte sich die Zahl allerdings verdoppeln. Denn Philharmoniker darf nur werden, wer drei Jahre im Staatsopernorchester gespielt hat. Und im Orchestergraben der Wiener Staatsoper musizieren derzeit noch folgende vier Frauen: Albena Danailova (Konzertmeisterin), Olesya Kurylyak (Erste Violine), Daniela Ivanova (Viola) und Ursula Wex (Violoncello).

Von den gegenwärtig 146 Staatsopernorchestermusikern (zwei Posten sind vakant) sind also insgesamt sieben weiblich. Der Frauenanteil beträgt mithin 4,79 Prozent. Nur so zum Vergleich: Das Orchester der Volksoper besteht aus 95 Musikern, 31 davon sind weiblich (darunter gleich drei Konzertmeisterinnen). Die Frauen stellen also ein knappes Drittel der Belegschaft, exakt 32,63 Prozent. Bis die Staatsoper zu diesem Wert kommt, wird es wohl noch ein paar Jahrzehnte dauern. (Thomas Trenkler, derStandard.at, 15.10.2009)

  • Artikelbild
Share if you care.