Die eleganteste Kabarettbühne von Wien

9. Oktober 2009, 14:39
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Simpl-Chef Albert Schmidleitner eröffnete das neue Vindobona

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Am Donnerstag wurde das Vindobona mit einem Fest wiedereröffnet – als "Kabarett für Hiesige und Zuagraaste". Die Küche stellte unter Beweis, was sie kann. Und Michael Niavarani führte launig durch den bunten Abend.

Wolfgang Gratzl, der langjährige Betreiber des Vindobonas, hatte sich mit seinen leicht größenwahnsinnigen Erweiterungsplänen schwer übernommen: Ende 2006 musste die Kabarettbühne am Wallensteinplatz geschlossen werden. Die 1,35 Millionen Euro an Steuergeldern, die SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny großzügig gewährte, waren damit futsch. (Wann wird der Kulturstadtrat eigentlich die Verantwortung für die Fehlentscheidung übernehmen?)

Um einen Pappenstiel kaufte Albert Schmidleitner, der erfolgreiche Chef des Simpl, die Ruine aus der Konkursmasse. Er ließ den missglückten Balkon wieder herausreißen und investierte 1,5 Millionen Euro (eigenes Geld). Das neue Vindobona erinnert mit seinem rot-schwarzen Design und den Kugellampen allerorts natürlich an das Simpl. Aber es ist luftiger, eleganter. Schlicht: die schönste Kabarettbühne von Wien.

Gestartet wird ab nächster Woche mit einer "Grätzl-Soap" namens "Jägerstraße". Das Ensemble ist multiethnisch. Und es geht mit viel Witz um ein Thema, das die städtische Kulturpolitik ziemlich vernachlässigt: die Integration. Andere Direktoren ließen sich den Mut zu so einem Programm hoch subventionieren. Nicht so Albert Schmidleitner, der auch das Palais Nowak, ein Zelt beim ersten Gasometer, betreibt: Er will mit den "Comedy-Zentrum für den Schmelztiegel Brigittenau" sogar Geld verdienen.

Ich meine das ganz ernst: Mailath-Pokorny sollte Schmidleitner auch das Ronacher überlassen. Denn der Simpl-Geschäftsführer kennt sich mit gehobener Unterhaltung verdammt gut aus. Er produziert am liebsten selbst. Und er käme mit einem Bruchteil der Millionen aus, die derzeit in das zum Musicalhaus aufgemotzte Etablissement gepumpt werden. (Thomas Trenkler, derStandard.at, 10.10.2009)

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