Kein Freiraum mehr für die Freien

5. Oktober 2009, 16:45
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Nach elf Jahren konzeptueller Arbeit im MQ: Hat Vitus Weh zu gehen?

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Gerald Matt, der Direktor der Kunsthalle Wien, hatte gemeint, dass dem Museumsquartier die Musealisierung drohe, wenn seine Institution ausziehe – beispielsweise in das Künstlerhaus am Karlsplatz.

Man könnte dies als einen krassen Fall von Selbstüberschätzung bezeichnen. Denn in der "Langen Nacht der Museen" kam man nicht unbedingt der Kunsthalle wegen ins MQ: Äußerst reges Leben herrschte nahezu überall, sowohl im Innenhof, wo Konzerte gegeben wurden, als auch in den Institutionen wie im Quartier 21. Die Kunstmaschine Mumok zum Beispiel lief auf hohen Touren, die Lifte blieben, schwer überlastet, immer wieder stecken. Und das Publikum flanierte interessiert selbst durch die eher spröden Bereiche der Dauerausstellung.

Das Museumsquartier funktioniert: nicht nur an warmen Sommerabenden, auch in frischen Oktobernächten. Dass ihm gar keine Musealisierung drohen kann, ist das Werk von Vitus Weh: Er konzipierte das Quartier 21 in seinen Grundzügen und animierte die freien Kulturanbieter, sich da und dort stärker einzubringen.

Jahrelang bemühte sich Vitus Weh, dass es für die Quartier-21-Partner Ausstellungsräume gibt, dass auch für diese vergleichsweise kleinen Projekte Werbung und Pressearbeit gemacht wird. Der Kampf um Anerkennung war hart, mitunter erfolglos. Und nun? Den "Freiraum" für die "Freien" gibt es nicht mehr: Als "Freiraum Quartier 21 International" ist er ab nun Abspielstation für Ausstellungen in Zusammenarbeit des MQ mit dem Außenministerium.

Vitus Weh verteidigt die neue Programmschiene: Weil das MQ nun endlich selbst als Veranstalter auftrete – und daher auch seine Power einsetze. Aber er selbst habe nichts mehr damit zu tun. Er glaubt, dass er nun, nach elf Jahren konzeptueller und organisatorischer Arbeit, zu gehen habe. MQ-Chef Wolfgang Waldner widerspricht heftig: "Ich hatte nur keine Zeit, mit ihm über eine Vertragsverlängerung zu reden." Vitus Weh fällt es schwer, dies zu glauben. Und er möchte auch nicht länger in der Rolle des Bittstellers sein.

Was ihn aufrichtet: Am 20. November wird die vierte, ebenfalls von ihm konzipierte Themenpassage eröffnet. Sie beschäftigt sich mit Typographie – und ist somit ein weiteres Mikromuseen für spannende Randthemen im öffentlichen Raum. (Thomas Trenkler, derStandard.at, 05.10.2009)

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