Gegenwind für FMA als Bilanzpolizei

19. Oktober 2009, 17:52
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Wirtschaftsprüfer und Betriebe präferieren Experten-Instanz - Kompetenz der Finanzmarktaufsicht angezweifelt

Wien - So einfach, wie sich das die Finanzmarktaufsicht, Finanzminister Josef Pröll (VP) und sein SP-Staatssekretär Andreas Schieder vorgestellt haben, dürfte es nicht gehen:Alle sprachen sich für eine Bilanzpolizei aus, die die Rechnungslegung der börsennotierten Konzerne überwacht. Die FMA selbst hat schon ein Konzept dazu ausgearbeitet und den Bedarf an 16 zusätzlichen Experten für diese Aufgabe eruiert. Damit will sie den vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (Big 4:KPMG, Ernst & Young, PWC, Deloitte) "ebenbürtig" sein, wie es heißt.

Österreichische Wirtschaftsprüfer und Unternehmensvertreter halten die Machtausweitung der FMA für den falschen Weg. Tenor:Auftraggeber der Prüfung, der Prüfer und Bescheidaussteller in einem zu sein sei kein anzustrebender Plan. Es wird auf das zweistufige deutsche Modell verwiesen:Dabei kontrolliert eine aus Experten bestückte Prüfstelle die Bilanzen, lediglich bei Verstößen wird das FMA-Pendant BaFin eingeschaltet.

Das Aktienforum, ein Interessenverband der Emittenten, spricht sich wiederum für einen Senat mit richterlichem Einschlag aus, der (ebenfalls im zweistufigen Verfahren) entscheiden soll. Um die vorhandenen Schnittstellen zu nützen, wäre eine Ansiedlung dieser Kollegialbehörde bei der FMAdurchaus sinnvoll. Auch das Institut Österreichischer Wirtschaftsprüfer (IWP) tritt für die Zweistufigkeit des Prozesses ein, um eine "klare Funktionstrennung zwischen Durchsetzung und Entwicklung von Rechnungslegungsstandards" zu gewährleisten. IWP-Chef Aslan Milla spricht sich dafür aus, dass ein Expertengremium gegebenenfalls unkorrekte Geschäftsberichte korrigiert. "Die Betriebe werden dann Asche auf ihr Haupt streuen" , ist der Prüfer überzeugt. Nur bei "hartnäckigen" Angelegenheiten soll die Behörde aktiv werden, meint der Experte.

Er lobt das deutsche Modell auch deshalb, weil dort von der zuständigen Prüfstelle befristete Verträge mit Top-Experten abgeschlossen würden. Deren Rückkehr nach Ablauf der Dienstzeit in die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften oder Betriebe stelle eine Bereicherung für den gesamten Berufsstand dar, erläutert Milla.

Die Banken und Versicherungen, die die FMAmitfinanzieren, bringen wiederum die Kostenfrage ins Spiel:Das von der Behörde für das sogenannte "Enforcement" benötigte Personal müsse durch Umschichtungen aufgespürt werden, heißt es inoffiziell. Eine zusätzliche finanzielle Belastung der Institute wird abgelehnt.

Auch Ex-Wirtschaftsminister Johannes Ditz, der sich zuletzt über das Zentrum für Soziale Marktwirtschaft verstärkt Kapitalmarktfragen widmete, hat Bedenken. Es spreche zwar viel für den Ausbau der FMAzu einer Allfinanzaufsicht, allerdings äußert Ditz seine Zweifel an der Kompetenz der Behörde. In der jetzigen Konstellation, bei der er Interessenkonflikte und Unvereinbarkeiten ortet, ist Ditz gegen neue Kompetenzen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2009)

 

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