"Jetzt kann ich zugeben, dass es schwierige Monate waren"

19. Oktober 2009, 17:48
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Er träumte schlecht, grübelte, ließ sich nichts anmerken. Jenson Button gab erst als Weltmeister einen Einblick in sein Seelenleben

Werden Sie 2010 mit BrawnGP den Titel verteidigen?

Button: Ich habe mit keinem Team ernsthaft wegen des nächsten Jahres gesprochen. Ich werde mit Brawn sprechen, wenn ich meinen Kater überwunden habe.

Ihre Ausgangslage ist jedenfalls klar besser als vor einem Jahr. Da standen Sie ohne Job und ohne viel Hoffnung da.

Button: Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, ob ich in diesem Jahr noch Formel 1 fahren würde. Dieses Team, das so schnell entstanden ist, ist natürlich nicht völlig neu, aber es würde nicht existieren, wenn es Ross Brawn als Teamchef nicht gäbe. Er verdient eine Medaille. Er hat viele schwierige Jahre erlebt, er war in jeder möglichen Situation, ist immer auf alles gefasst. Das hat mir geholfen. Für ihn die Fahrer- und die Konstrukteurs-WM zu gewinnen ist außergewöhnlich. Ein unbeschreibliches Gefühl. Es ist toll, hier als Weltmeister zu sitzen.

Was sehen Sie, wenn Sie auf die Saison zurückblicken?

Button: Einen großartigen Start in die Saison und sehr viel Stress in den letzten Rennen. Mir geht sehr viel durch den Kopf, gute und schlechte Erinnerungen. Ich glaube nicht, dass es jemals schon so eine Saison gab. Ich bin überaus erleichtert - ich bin Champion! Ich habe es verdient. Ich war der Beste in bisher 16 von 17 Rennen. Ich bin Champion - ich kann gar nicht aufhören, es zu sagen.

Sie haben heuer sechs Rennen gewonnen, den Titel aber mit einem fünften Rang fixiert.

Button: Und doch war der Grand Prix von Brasilien wahrscheinlich das beste Rennen meiner gesamten Karriere. Ein unglaubliches Rennen - auch wenn ich es nicht gewonnen habe.

Sie sind von Platz 14 gestartet - wie groß waren Ihre Hoffnungen, wirklich schon in São Paulo den Titel fixieren zu können?

Button: Nach dem Qualifying habe ich gegrübelt. Ich habe mich für Rubens und das Team über seine Poleposition gefreut, mich aber gleichzeitig schlecht gefühlt. Dann hatte ich ein paar Drinks und war für das Rennen bereit. Ich wusste, ich kann um Platz sechs kämpfen. Das war unsere Strategie, sie ist voll aufgegangen.

Wieso war Ihnen der Druck, den Sie zuletzt doch verspüren mussten, nie anzumerken?

Button: Es ist ein Zeichen von Schwäche, wenn man zugibt, dass einen etwas belastet. Aber jetzt kann ich zugeben, dass es schwierige Monate waren. Vor dem Qualifying in Brasilien träumte ich, es würde in die Hose gehen. Vor dem Rennen hat sich aber alles zum Guten verändert. Ich habe geträumt, dass ich Weltmeister werde. Vielleicht steckt in Träumen ja ein bisschen Wahrheit. (APA, sid, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 20. Oktober 2009)

ZUR PERSON: Jenson Button (29) aus Frome in Somerset (SW-England) diente sich über die Formel Ford und die Formel 3 hoch. Formel-1-Debüt 2000 (für Williams), WM-Dritter 2004 (für Bar-Honda), erster Sieg 2006 (für Honda). Liiert mit dem Unterwäschemodell Jessica Michibata.

  • Button: "Nach dem Qualifying habe ich gegrübelt. Dann hatte ich ein paar Drinks und war für das Rennen
bereit."
    foto: epa/jan woitas

    Button: "Nach dem Qualifying habe ich gegrübelt. Dann hatte ich ein paar Drinks und war für das Rennen bereit."

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