Länder halten sich an Wien

19. Oktober 2009, 17:34
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Steiermark und Burgenland schauen auf Wien, wenn sie wählen wollen

Graz/Eisenstadt - In der Steiermark und im Burgenland blicken die dortigen roten Landesfürsten etwas beunruhigt in Richtung Bundeshauptstadt. In beiden Ländern wird ebenfalls im Herbst 2010 gewählt - und die Parteistrategen sind sich noch nicht ganz im Klaren darüber, inwieweit die Wahl in der Hauptstadt den eigenen Urnengang im Bundesland beeinflussen wird.

Der steirische SPÖ-Landesgeschäftsführer Toni Vukan geht davon aus, dass die Steiermark jedenfalls nicht zeitgleich mit Wien, sondern Ende September, am 28. September, wählen könnte.

Vukan im Gespräch mit dem Standard: "Das ist der momentan wahrscheinlichste Termin. Inwieweit und ob sich die Wien-Wahl überhaupt auswirken wird, kann man noch nicht sagen. Ich höre ja, dass Michael Häupl mit der SPÖ wieder aufholt."

Für SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves ist die Diskussion um einen Wahltermin "noch zu früh". Er gehe davon aus, dass im Herbst 2010 in der Steiermark gewählt werde. ÖVP-Klubchef Christopher Drexler kommentiert die Debatte um die Wahltermine lapidar: "Mir ist aufgrund der Verfasstheit der SPÖ jeder Wahltermin recht." Er wisse, dass die SPÖ "in jedem Fall vor Wien wählen will".

Burgenland fürchtet sich

Das Burgenland fürchtet sich wahltaktisch einigermaßen vor Wien. Nicht nur den medialen Schlagschatten der großen Stadt, sondern vor allem die große Zahl an wechselweisen Zweitwohnsitzer. SPÖ-Landesgeschäftsführer Georg Pehm kann also auf Standard-Nachfrage schon einen Termin nennen, an dem "sicher nicht" gewählt wird im Burgenland: "Am Tag der Wiener Wahl."

Weiteren Spekulationen über die wahltaktischen Abhängigkeit von den Wiener Parteifreunden mag er nicht teilen. Hans Niessl, der Landeshauptmann, hat schon mehrmals seine Abneigung geäußert, im Umfeld der Wiener wählen zu wollen. Das würde im Windschatten der zu erwartenden Strache-Zuspitzungen zu sehr der FPÖ nützen.

Parteiintern gibts freilich auch die andere Überlegung: Wenn FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in und mit Wien beschäftigt ist, kann er sich nicht ums Burgenland kümmern.

Pehm geht jedenfalls davon aus, "dass wir im Herbst wählen". Das Frühjahr mit seiner Bundespräsidentenwahl am 18. April wird tatsächlich eng, da das Exklusivitätsgebot für diese Wahl ja auch für eine allfällige Stichwahl gilt. Also mutmaßen manche Beobachter, dass sich ein pannonischer Wahltag am 11. April anbieten würde. Plakate hängen ja schon im Burgenland. Pehms Co-Geschäftsführer Robert Hergovich ortet bei der ÖVP sowieso schon einen offiziellen Wahlkampfstart. (Walter Müller und Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2009)

  • In der Steiermark und im Burgenland wird im Herbst 2010 gewählt.
    foto: newald

    In der Steiermark und im Burgenland wird im Herbst 2010 gewählt.

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