Erstaufnahmezentrum: Entscheidung bis Jahresende

19. Oktober 2009, 16:39
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NÖ-Landeshauptmann Pröll verlangt rasches Ende der Asylproblematik in Traiskirchen

Das Innenministerium will bis Jahresende entscheiden, wo das geplante dritte Erstaufnahmezentrum für Asylwerber neben Traiskirchen (Niederösterreich) und Thalham (Oberösterreich) entstehen soll. Das kündigte der Sprecher von Ministerin Maria Fekter am Montag an. Derzeit befinde man sich noch in "Phase zwei" der Standortsuche, nämlich der Prüfung und Bewertung jener "um die zehn Gemeinden" im Süden Österreichs, die Interesse an der Einrichtung bekundet haben. In "Phase drei", bis zum Ende des Jahres, sollen die Bewerber dann gereiht und schließlich die Entscheidung getroffen werden.

Fekter hatte im Frühsommer Gemeinden in Kärnten, dem Burgenland der Steiermark aufgerufen, sich für das Projekt zu bewerben. An die zehn aus allen drei Ländern haben sich laut Ministeriumsangaben gemeldet. Diese werden freilich "aufgrund der Sensibilität des Projekts bis zur endgültigen Entscheidung" geheim gehalten. Zwei Kärntner Gemeinden, Neuhaus und Bad Eisenkappl, hatten im Sommer öffentlich Interesse bekundet, waren dann aber nach ersten Protesten rasch wieder abgesprungen.

Pröll will rasche Lösung

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll verlangte am Montag wiederholt eine Lösung der Asylproblematik im Zusammenhang mit dem - jüngst wieder in die Schlagzeilen geratenen - Flüchtlingslager Traiskirchen, das dringend zu entlasten sei. Zum einen müsse die Novelle zum Fremdenrecht im Parlament rasch umgesetzt werden. Zum anderen forderte er die Einrichtung einer weiteren Erstaufnahmestelle.

Er verlange, dass Innenministerin Maria Fekter ihre am 22. Jänner im Rahmen der Landeshauptleutekonferenz getätigte - und protokollierte - Zusage einhalte. Laut Pröll hätte diese bis zum Sommer geschehen sollen, "jetzt haben wir Mitte Oktober". Überdies solle der Bund die Erfüllung der Aufnahmequoten in allen Bundesländern einfordern - zur Zeit sei das nur in Wien, Nieder- und Oberösterreich der Fall. Als dritte Forderung nannte Pröll eine intensivere Behandlung der "Dublin-Fälle".

Pröll erinnerte an den Aufgriff von 64 Kurden in der Vorwoche, die in der Folge unkontrolliert und spurlos aus dem Lager verschwunden seien. Parallel dazu würden Auseinandersetzungen und Schlägereien zwischen Nationalitäten zunehmen, was Pröll auch auf den derzeitigen "viel zu hohen" Belag von 900 Flüchtlingen zurückführte. Dieser Zustand mache die Situation völlig unübersichtlich, belaste die Stadt und die Nachbargemeinden und sei unzumutbar für die Sicherheitsbeamten.

"Dublin-Fälle"

50 Prozent der Bewohner der Erstaufnahmestelle seien "Dublin-Fälle": Diese seien entweder in anderen Bundesländern unterzubringen oder, wie es rechtlich möglich sei, in das Land zurückzuschicken, in dem sie den Erstantrag stellten.

Die Novelle zum Fremdenrecht gehe in die richtige Richtung, bis zur Umsetzung dürften aber nicht Monate verstreichen. Die geübte Praxis bezeichnete der Landeshauptmann als "vollkommen unzureichend", mehrere Punkte seien zu verschärfen: Der "Geschäftemacherei von Anwälten mit menschlichen Schicksalen" sei Tür und Tor geöffnet, sprach sich Pröll unter Hinweis auf "elendslange" Verfahren für strengere Regeln bei Folgeanträgen aus. Notwendig sei auch eine genauere Altersfeststellung der Asylsuchenden als bisher. Weiters müsse es mehr Tatbestände für Schubhaftmöglichkeiten geben, sprach sich Pröll für eine Gebietsbeschränkung des Asylwerbers auf den jeweiligen Bezirk aus. Andernfalls sei er abzuschieben. (APA)

 

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