Späte Ehrung für vertriebenen Nobelpreisträger

19. Oktober 2009, 16:25
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Walter Kohn, heute 86, erhielt das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

Wien - Der in der Nazi-Zeit aus seiner Heimat Wien vertriebene und heute in den USA lebende Chemiker und Nobelpreisträger Walter Kohn (86) wurde Montag Nachmittag von Bundespräsident Heinz Fischer mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Damit soll er für sein Lebenswerk geehrt werden, begründet man in der Präsidentschaftskanzlei die Auszeichnung. Kohn ist seit 1999 Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst, der höchsten Auszeichnung für Wissenschafter. Zu Österreich hat Kohn ein belastetes Verhältnis.

Flucht und Tod der Eltern

Kohn wurde am 9. März 1923 in Wien geboren. 1939 - drei Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges - gelang ihm gemeinsam mit seiner Schwester Minna über einen sogenannten Kindertransport die Flucht aus Österreich. Die Eltern - Salomon und Gittl Kohn - blieben in Wien, wurden ins KZ Theresienstadt deportiert und kamen kurz vor Ende des Krieges unter nicht geklärten Umständen ums Leben.

Nach seiner Vertreibung aus Österreich - gegen den Ausdruck "Emigration" verwehrt sich Kohn mit gutem Grund - verschlug es ihn über Umwege zuerst an die Universität Toronto und dann an die Harvard University in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts), wo er sein Doktorat machte. Die weitere wissenschaftliche Laufbahn führte ihn nach Pittsburgh, Kopenhagen, Paris, San Diego und schließlich nach Santa Barbara, wo er von 1979 Direktor des renommierten Institute of Theoretical Physics an der University of California war.

Höchste Ehrung

1998 wurde er für seine "Dichte-Funktionaltheorie" mit dem Nobelpreis bedacht. Diese geht davon aus, dass man die Eigenschaften eines Moleküls lediglich aus der durchschnittlichen Dichte der Elektronen errechnen kann.

Kohn hatte und hat stets Kontakte auch mit Wiener Physikern. Privat blieb das Verhältnis zu seiner Geburtsstadt aber belastet, wenngleich bei einem Wien-Aufenthalt 1999 von einem "neuen Verhältnis mit Österreich" die Rede war. (APA/red)

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