"Warmblütigkeit" ist Waffe gegen Pilzinfektionen

19. Oktober 2009, 15:12
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Forscher sehen Endothermie in neuem Licht - inklusive der Fieberreaktion bei Infektionen

New York/Utrecht - Endothermie - umgangssprachlich auch als "Warmblütigkeit" bezeichnet - ermöglicht Vögeln und Säugetieren eine konstante Körpertemperatur aufrechtzuerhalten und damit vergleichsweise unabhängig von ihren Umweltbedingungen aktiv zu bleiben. Doch zu einem Preis: Sie verbrauchen mehr Energie als ektotherme Tiere wie Reptilien oder Amphibien - müssen also mehr Nahrung zu sich nehmen, und das in regelmäßigen Abständen.

"Dieser Nachteil muss durch einen großen Vorteil aufgewogen werden, sonst würde er die natürliche Selektion nicht überlebt haben", berichtet Vincent A. Robert vom Centraalbureau voor Schimmelcultures. Gemeinsam mit anderen niederländischen und US-amerikanischen Forschern kommt er zum Schluss, dass ein wichtiger Faktor, der für Endothermie spricht, in die Kosten-Nutzen-Rechnung miteinbezogen werden muss: Endothermie könnte eine Maßnahme des Körpers zur Abwehr von Pilzen und anderen Krankheitserregern sein, wie in der Zeitschrift "Journal of Infectious Diseases" berichtet wird.

Schutz durch Hitze

Die Forscher untersuchten, wie über 4.000 Pilzstämme auf verschiedene Temperaturen reagieren. Dabei zeigte sich, dass bei 30 Grad Celsius optimale Bedingungen für fast alle Stämme herrschen, während höhere Temperaturen das Wachstum hemmen oder sogar zum Tod der Pilze führen. "Ab dieser Temperatur bewirkt jedes weitere Grad ein Absterben von sechs Prozent der Pilzstämme", so Robert. Nur sehr wenige Pilze überleben Temperaturen jenseits der 37 Grad-Grenze. Warum dieses Phänomen eintritt, ist bisher noch nicht erforscht.

Das könnte hinreichend erklären, warum nur wenige hundert der über 1,5 Millionen Pilzstämme für Säugetiere gefährlich werden können. Andere Lebewesen haben ein weit höheres Infektionsrisiko. "Es gibt weit über 50.000 Pilzstämme, die den Insekten gefährlich werden können, bei Pflanzen sind es sogar über 270.000", betont Robert.

In neuem Licht erscheint durch diese Ergebnisse außerdem die Fieberreaktion des Körpers. "Der Körper erhöht im Krankheitsfall mit der Temperatur auch die Abwehrfähigkeit gegenüber Eindringlingen wie Pilzen und andere Mikroorganismen. Fiebersenkende Medikamente bei leicht erhöhter Körpertemperatur dürften diesen Mechanismus hingegen verhindern", so der niederländische Forscher. (pte/red)

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