"Deutsche Taliban" filmt Al-Amriki, den "Amerikaner"

19. Oktober 2009, 16:00
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Clip des einstigen US-Soldaten Ibrahim al-Amriki - Anzahl der Westeuropäer, die sich in Terrorcamps ausbilden ließe, sei im Steigen begriffen

Abu Ibrahim Al-Amriki - muskelbepackt, schwarze Sonnenbrille, Glatze - hält seine Waffe hoch. Wie einen Pokal, den er stolz in der Luft umherwippt. Er sagt kein Wort, die Geste wird nur untermalt mit dramatischer Musik und Sprechgesang. Keine zwanzig Sekunden dauert der Clip, der eigentlich bereits einen Monat alt ist. Und er gibt dennoch Anlass zu großer Sorge.

Denn Al-Amriki war einst selbst Mitglied der US-Armee, trägt deshalb den Beinamen "der Amerikaner". Weiteres nicht unwichtiges Detail: Das Video hat eine Gruppe fabriziert, die sich selbst "deutsche Taliban" nennt. Das meldet die Washington Post in ihrer Montagsausgabe. 

Das Video habe trotz seiner Kürze sowohl deutsche wie auch US-amerikanische Nachrichtendienste beunruhigt: Um Al-Amriki ranken sich zwar zahlreiche Mythen, wissen tut man aber nur sehr wenig. Über Identität und Werdegang sei kaum etwas bekannt, meldet die Washington Post.

Selbst seinen richtigen Namen kennt niemand, schrieb die New York Post im April. In "Djihad-Kreisen" sei er einfach als "der Amerikaner" bekannt. Nur dass er zur höchsten Riege der Al-Kaida gehöre, daran zweifle niemand. Er soll in US-amerikanischen Spezialeinheiten groß geworden sein, Terroristen in Somalia trainiert, in Bosnien gekämpft haben. Bestätigt wurde keines dieser Gerüchte.

Das letzte Mal hatte sich Al-Amriki anlässlich Obamas Kairoer Rede zu Wort gemeldet. In der Videobotschaft wies er die Anstrengungen des US-Präsidenten beim Versuch eines „neuen Anfangs" mit der moslemischen Welt aufs Schärfste zurück und macht sich über den „charismatischen Zauber" des US Präsidenten lustig - um gleichzeitig neue Anschläge auf amerikanische Ziele anzukündigen.

Immer mehr "westliche Rekruten"

Nach Informationen der Washington Post sei die Anzahl an Westeuropäern, die sich in Terrorcamps ausbilden ließe, im Steigen begriffen. Die Armee werde immer größer - trotz verstärkter Bemühungen des US- Geheimdienstes CIA, Taliban- und Al-Kaida-Führer durch den gezielten Einsatz von Drohnen auszuschalten.

In Deutschland gebe es eine Reihe verschiedener Rekrutierungs-Netze, die im Dienste Al-Kaidas, der Taliban und anderer radikal-islamischer Gruppen stünden, zitiert die Zeitung deutsche Behörden. Diese Netzwerke operierten dabei allerdings unabhängig voneinander, was die Ermittlungen gegen sie erheblich erschwere. "In Deutschland gibt es keine einheitliche Struktur, über die angeworben wird", wird ein deutscher Beamter zitiert.

Seit Jänner diesen Jahres sollen mindestens 30 Deutsche nach Pakistan gekommen sein, um sich in Terrorcamps militärisch ausbilden zu lassen. Rund zehn Menschen sollen heuer nach Deutschland zurückgereist sein. Dabei müsse es sich nicht um dieselben Personen handeln, allerdings bestehe Sorge über Anschlagsplänen in Europa. Deutschland stellt mit 3.800 Soldaten nach den USA und Großbritannien das größte NATO-Truppenkontingent in Afghanistan.

Auch andere europäische Länder registrierten Rekrutierungen ihrer Bürger, darunter Frankreich, Schweden und Belgien. Zudem verzeichneten ebenfalls die USA eine "kleine, aber wachsende Zahl" von Anwerbungen. (fin)

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