Bei den Wald-Menschen in Kuching

21. Oktober 2009, 16:50
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Der malaysische Teil Borneos besteht aus den Provinzen Sarawak und Sabah, dazwischen liegt das Sultanat Brunei. Dort besuchte Knut die Orang-Utans

Sarawak ist unsere erste Station auf Borneo und wir nisten uns für ein paar Tage im bezaubernden Kuching ein.
Obwohl wir eigentlich nur zwei Tage in und um Kuching verbringen wollten, bleiben wir, so wie viele andere, über eine Woche hängen. Diese Kleinstadt in der Südostecke von Sarawak hat's uns ganz besonders angetan. Im näheren Umkreis liegen mehrere der bemerkenswertesten Nationalparks, was Kuching zum perfekten Ausgangspunkt für die Erkundung der Region macht. Außerdem sind dem Charme der Kleinstadt wohl schon viele Reisende erlegen und auch wir fühlen uns hier schlicht und einfach wohl. Dies liegt auch daran, dass wir uns in unserer Unterkunft, dem "Fairview", zu Hause fühlen. Das "Fairview" ist eine alte Kolonialvilla in deren ersten Stock wir ein wunderschönes Zimmer mit Blick auf einen riesigen Lycheebaum bewohnen.

Das Stadtbild von Kuching selbst wird von alten Kolonialgebäuden und großzügigen Parkanlagen geprägt. In Sarawak ist die Ausbreitung der drei Religionen - Islam, Hinduismus und Christentum - ungefähr gleich. Dies findet seinen Niederschlag auch im Stadtbild von Kuching in dem neben der großen Moschee ein Sikh- und ein Hindutempel stehen, während wenig weiter mehrere große Kathedralen samt Friedhöfen errichtet wurden. 

Wenig außerhalb von Kuching mündet der Sungai Sarawak ins Meer. Dieser stellt in weiten Gebieten des Landesinneren, wo der Dschungel undurchdringlich die einzige Verkehrsverbindung dar und macht Kuching so zu einem wichtigen Handelsposten.

Vom Monsun begleitet

Apropos Niederschlag - wir haben wieder einmal den Monsun eingeholt. Hier schüttet es mehrmals täglich kräftig was bei Temperaturen von ca. 40 Grad allerdings nicht wesentlich stört, solange man nicht (wie wir) mitten auf der Hauptstraße überrascht wird und mehr oder weniger nach Hause schwimmen muss. 

Wie sonst auch waren wir natürlich auch in Kuching am Markt. Da Sarawak neben riesigen Dschungelgebieten auch über groß angelegte Obstplantagen verfügt, ist der Markt von Kuching ein Paradies für Obstfreunde. Überhaupt wachsen dank des optimalen Klimas hier die exotischsten Obstsorten in jedem Vorgarten. 

Von unserer "Basis" Kuching aus besuchen wir mehrere Parks in der Umgebung und können kaum fassen was für eine Vielfalt uns die Natur hier bietet. Wanderungen in den hiesigen Nationalparks sind eine schweißtreibende Angelegenheit. Nicht nur hat es ca. 40 Grad, auch die Luftfeuchtigkeit ist derart hoch, dass man schon nach wenigen Metern schweißgebadet ist. Derartige Parks sind kein Freilichtmuseum, wie die Bilder in der Ansichtssache zeigen, sondern eigentlich ein Kampf David gegen Goliath - nur mühsam werden der Natur hier kleine Trampelpfade abgerungen.

Scheu als Erfolgsindikator

Unter anderem besuchen wir ein Orang-Utan Reha-Zentrum. Junge Tiere, die bei gestellten Wilderern oder auf (illegalen) Märkten gefunden wurden, landen hier, wo sie langsam ihrer natürlichen Umgebung angepasst und schließlich ausgesetzt werden. Einmal ausgesetzt, offenbart sich schnell ob die Rehabilitation erfolgreich war. Zu fixen Tageszeiten werden auf einer Plattform mitten im Dschungel Obst und Gemüse ausgelegt. Dieses Ereignis ist auch für Besucher zugänglich.

Davor wird uns von einem Parkaufseher versichert: "If they come, you are lucky, if not we are happy!" - denn dann war das Projekt erfolgreich und diese dem Menschen so ähnliche Tierart wurde wieder erfolgreich in ihre ursprüngliche Umgebung integriert. Und so stehen wir in einem Haufen angereister Touristen und warten gespannt. Glücklicherweise ziehen es die rostroten Waldmenschen vor, sich nicht vor ein paar Touristen zum Affen zu machen und bleiben dem Spektakel fern. 

Heutzutage sind die Orang-Utans stark vom Aussterben bedroht. Derzeit gibt es noch zwischen 20.000 und 30.000 frei lebende Orang-Utans, davon rund 15.000 hier auf Borneo. Ihr Lebensraum wird vom Menschen stark bedroht und immer mehr eingeschränkt, insbesondere durch legale und illegale Abholzung des Regenwaldes (vor allem um gigantische Palmölplantagen zu errichten).

Außerdem pflanzen sich Orang-Utans nur höchst langsam fort: ein Weibchen gebiert in ihrem Leben oft nicht mehr als drei Junge. Zudem erhält man auf dem Schwarzmarkt für ein Jungtier bis zu 30.000 Euro. Die Gefangennahme eines Jungtieres geht außerdem meist mit der Erschießung des Muttertiers einher.

Einzelgänger mit Gruppendynamik

Wir haben in Sarawak noch ein weiteres Rehabilitationszentrum für Orang-Utans besucht. Diesmal erschienen einige Tiere zur Fütterung und wir konnten diese so mehr oder weniger in ihrem natürlichen Umfeld beobachten. Mehr oder weniger deswegen, weil sie zwar einerseits im Dschungel leben, sich andererseits aber jeden Tag pünktlich zum Fütterungszeitpunkt an einem vereinbarten Platz treffen und somit nicht ihrer eigentlichen einzelgängerischen Wanderung nachgehen.

Am Weg nach Sabah, der zweiten malaysischen Provinz auf Borneo machen wir noch Halt in Miri, ehe wir dem Sultanat Brunei einen Besuch abstatten. Brunei, dessen Sultan einst der reichste Mensch der Welt gewesen sein soll und sich als Geburtstagsgeschenk ein Privat-Konzert von Michael Jackson gönnte, wirkt seltsam steril und unlebendig. Wir wandern durch Einkaufszentren, menschenleere Straßen und verbringen viel Zeit in der unbeschreiblich schönen und auf arktische Temperatur klimatisierten Moschee, ehe wir weiter Richtung Sabah reisen. (Knut)

Hier geht's zur Ansichtssache.

  • Orang-Utans, die vor Verkauf oder Tötung gerettet wurden, werden in Rehabilitationszentren auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.
Mehr Bilder von Knuts Aufenthalt in Kuching zeigt diese Ansichtssache.
    foto: knut

    Orang-Utans, die vor Verkauf oder Tötung gerettet wurden, werden in Rehabilitationszentren auf ein Leben in Freiheit vorbereitet.

    Mehr Bilder von Knuts Aufenthalt in Kuching zeigt diese Ansichtssache.

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