Hoffnung auf Konjunkturerholung beflügelt

19. Oktober 2009, 21:59
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Am Montag hat der Rohölpreis erstmals seit einem Jahr kurzzeitig wieder die 79-Dollar-Marke übersprungen

Am Montag hat der Rohölpreis erstmals seit einem Jahr kurzzeitig wieder die 79-Dollar-Marke übersprungen. Analysten verweisen auf gute Quartalsergebnisse von Unternehmen, die eine Wirtschaftserholung andeuteten.

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Wien - Die internationalen Rohölmärkte haben die 80-Dollar-Marke im Visier. Zu Wochenbeginn ist der Preis für ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl kurzzeitig auf 79,61 Dollar (53,42 Euro) geklettert. So viel kostete Rohöl seit einem Jahr nicht mehr.

"Was sich derzeit auf den Märkten abspielt, hat viel mit Psychologie zu tun" , sagte der Österreich-Geschäftsführer von JBC Energy, Johannes Benigni, dem Standard. "An der weltweiten Angebots-Nachfragesituation hat sich nichts dramatisches verändert."

JBC Energy, ein auf Ölmarktanalysen spezialisiertes, international tätiges Unternehmen geht davon aus, dass die Rohölpreise bis Jahresende um die 70-Dollar-Marke schwanken werden. "Wir haben vor nicht allzu langer Zeit Preise von 63 Dollar je Fass gesehen, jetzt werden die 80 Dollar getestet. Größere Ausreißer sehe ich nicht" , sagte Benigni. Er rechnet erst 2013 mit einem deutlicheren Auseinanderklaffen zwischen Produktion und Nachfrage. "Da gibt es ein großes Risiko, nicht zuletzt weil jetzt weniger in die Ölsuche investiert wird" , sagte Benigni.

Händler begründen den jüngsten Preisanstieg mit starken US-Unternehmenszahlen und positiven Konjunkturdaten. Diese deuteten auf eine spürbare konjunkturelle Erholung nach der schweren weltweiten Rezession hin. Beobachter sehen aber auch die Gefahr von Rückschlägen, falls die optimistischen Erwartungen enttäuscht werden sollten. Der Ölpreisanstieg war zudem laut Commerzbank zuletzt zu großen Teilen auch spekulativ getrieben.

Im Mittagshandel fiel der Ölpreis wieder bis auf 78,14 Dollar zurück. Das sind 40 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Ein Fass der für Europa maßgeblichen Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Dezember fiel um 38 Cent auf 76,60 Dollar.

Auch der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist in der Vorwoche deutlich gestiegen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Montag kostete ein Fass im Durchschnitt 74,89 US-Dollar. Das waren 1,69 Dollar mehr als am Donnerstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

Haushaltsenergie günstiger

Trotz des kurzfristigen Anstiegs der Rohölpreise hat sich die Energierechnung der österreichischen Haushalte im Jahresabstand weiter verringert. Nach Berechnungen der Österreichischen Energieagentur sind die Preise im September 2009 verglichen mit September 2008 um 10,2 Prozent gesunken (siehe Grafik). Billiger waren vor allem Heizöl und Treibstoffe. Verglichen mit August 2009 war Energie im Berichtsmonat um ein Prozent günstiger.

Im Jahresvergleich haben sich Normal- und Superbenzin um jeweils 13,5 Prozent verbilligt, Diesel um 22,4 Prozent, Heizöl um 31,4 Prozent. Strom verteuerte sich um 4,5 Prozent, Gas um 8,8 Prozent. Die Preise für feste fossile Brennstoffe gingen um 5,3 Prozent zurück. Bei Brennholz gab es einen Anstieg um zwei Prozent, bei Holzbriketts um 7,2 und bei Fernwärme um 1,2 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat waren Normal- und Superbenzin um je 1,6 Prozent billiger, Diesel um 1,5 Prozent, Heizöl um 4,9 Prozent, und Strom um 0,1 Prozent. Der Gaspreis blieb unverändert. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2009)

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