USA verschärft Gangart gegen Insiderhandel

20. Oktober 2009, 17:10
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Die US-Börsenaufsicht geht weiteren Fällen von Insiderhandel nach. Nach Fehlern bei Madoff verschärft die Behörde ihre Gangart

Boston/Washington - Die Affäre um Insiderhandel in den USA weitet sich aus. Die US-Börsenaufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft gehen nun weiteren "bedeutenden" Fällen nach. Es gehe um Finanz-Profis, die ebenfalls in Insiderhandel verstrickt seien.

Zunächst ungeklärt blieb aber, ob die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem jüngsten Skandal um den Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam und Manager von mehreren US-Großkonzernen stehen. Die SEC ist derzeit besonders aktiv, nachdem sie eine Reihe von internen Reformen umgesetzt hat, um Delikte im Finanzsektor besser verfolgen zu können. Experten rechnen deshalb in diesem Jahr mit einer wachsenden Zahl an Strafverfolgungen und spektakulären Fällen.

Die Aufsichtsbehörde war in die Kritik geraten, weil sie - wie berichtet - etwa Hinweise zu dem Milliardenbetrugssystem des Finanzjongleurs Bernard Madoff jahrelang ignoriert hatte.

In einer spektakulären Aktion hatten die US-Behörden vergangenen Freitag in New York den in Sri Lanka geborenen Milliardär und Hedgefonds-Chefs Raj Rajaratnam sowie fünf mutmaßliche Komplizen - Mitarbeiter in Großkonzernen - festgenommen. Als Insiderhandel-Netzwerk sollen sie mit vertraulichen Informationen verbotene Aktiengeschäfte getätigt und so illegal 20 Mio. Dollar (13,4 Mio. Euro) verdient haben. Der 52 Jahre alte Rajaratnam kam gegen eine Kaution von 100 Mio. Dollar vorerst auf freien Fuß.

Schadensbegrenzung

Die in den Skandal verwickelten Konzerne bemühten sich, den Schaden zu begrenzen, und betonten ihre Kooperation mit den Behörden. Die IT-Riesen IBM und Intel beurlaubten ihre zwei im Zuge der Affäre verdächtigten Top-Manager bis auf weiteres. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Bei Intel soll laut Staatsanwaltschaft der in der Finanzabteilung arbeitende Rajjiv Goel den Betrügerring mit noch unveröffentlichten Details etwa zu anstehenden Quartalszahlen versorgt haben. Bei IBM steht Vizepräsident Robert Muffat im Verdacht. Er zählte bisher zu den möglichen Kandidaten für den Chefsessel des Konzerns.

Der Berater McKinsey zeigte sich "schockiert" über die angebliche Beteiligung eines Mitarbeiters. Auch die Rating-Agentur Moody's geriet unter Druck, da einer ihrer Analysten Rajaratnam mit Informationen versorgt haben soll.

Rajaratnams Hedgefonds Galleon kämpft derweil um sein Überleben. Die Anleger ziehen laut Wall Street Journal scharenweise ihr Geld ab. Sie wollten demnach bereits mehr als ein Drittel der bei Galleon verwalteten rund 3,7 Mrd. Dollar zurückhaben, berichtete die Zeitung. (Reuters, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2009)

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