Die Ladykillerin

19. Oktober 2009, 16:02
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Lady Gaga vereitelt Mode-Revolution: Warum Stephan Hilpold auf die US-Sängerin grantig ist

An Lady Gaga scheiden sich die Geister. Die einen feiern die amerikanische Sängerin als Vertreterin eines neuen Feminismus, die andere schmähen sie wegen ihrer aufgeblasenen intellektuellen Sprüche. Nur eines ist unbestritten: der Unterhaltungswert ihrer Plastikblasen-Kleider oder ihrer feuerspeienden Brüste. Nur Beth Ditto schaut auf der Bühne besser aus.

In die Annalen der Mode wird Lady Gaga aber nicht wegen ihrer selbstgebastelten Origami-Outfits eingehen, sondern als die Vereitlerin einer Revolution. Sie war schuld, dass Menschen wie ich vor einigen Tagen vor einem leeren Computerschirm saßen und die "größte Revolution der Mode des 21. Jahrhunderts" verpassten. Mit diesen Worten beschrieb die Modejournalistin Suzy Menkes am Tag darauf das, was auf dem Bildschirm zu sehen hätte sein sollen - die Live-Übertragung der jüngsten Modeschau von Alexander McQueen im Internet.

Bei einer Show des Londoner Designers dabei zu sein ist für Modemenschen in etwa das, was für arme Schlucker der Eintritt in Flavio Briatores Billionaire Club bedeutet: ein Blick auf all das, was man sich nicht leisten kann - nur dass die Damen und Herren bei Alexander McQueen um Längen besser angezogen sind. Das in Echtzeit zu sehen, rechtfertigt es, sich an einem Dienstag Abend zu Hause vor den Bildschirm zu setzen.

Doch Lady Gaga vereitelte die Welturaufführung für alle: Die Sängerin twitterte eine halbe Stunde vor der Übertragung, dass ihre neue Single erstmals bei der Modeschau zu hören sein werde. Woraufhin sich ziemlich viele ihrer Eine-Million-Twitter-Abonnenten ins Netz einlinkten und der Server kollabierte. Für ihre Fans sicher eine herbe Enttäuschung. Mode-Menschen haben es wahrscheinlich gelassener genommen. Sie stehen ohnehin regelmäßig bei McQueen-Schauen vor verschlossenen Türen. Diesmal haben sie sich zumindest die Anfahrt gespart.

P.S.: Die spektatuläre McQueen-Schau ist mittlerweile auf www.alexandermcqueen.com zu sehen.
(hil/derStandard.at, 19.10.2009)

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    Lady Gaga am 30. September 2009 in New York

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