"Eine Frage von Leben und Tod"

19. Oktober 2009, 12:59
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In Deauville debattierten Aktivistinnen über die globalen Konsequenzen der Finanzkrise auf Mädchen und Frauen - Kürzungen der Entwicklungshilfe käme Todesurteilen gleich

Deauville - Das "Women's Forum for the Economy and Society" hat auf einer Konferenz in Deauville, Frankreich, auf die Auswirkungen der Finanzkrise auf Frauen hingewiesen. Insgesamt 1.000 Aktivistinnen, Unternehmerinnen und Politikerinnen trafen sich, um die weltweite Situation von Frauen zu diskutieren, berichtet der britische Guardian.

Wirtschaftskrise "eine Frage von Leben und Tod"

Die im Irak geborene Gründerin der Organisation Women for Women International, Zainab Salbi, versuchte in ihrer Rede klar zu machen, wie ernst die Situation sei. Eine kongolesische Frau habe sich an sie gewandt und gemeint: "Für den Westen bedeutet die Wirtschaftskrise eine Veränderung im Lifestyle, für uns ist es eine Sache von Leben und Tod." Mädchen und Frauen seien die stummen Opfer der Bankenkrise, so Salbi. Ihre Situation habe sich in den vergangenen Monaten stark verschlechtert. Von einem Dollar Entwicklungshilfe käme in Entwicklungsländern am Ende nur ein halber Cent den Frauen zu Gute.

Kürzung der Entwicklungshilfe mit fatalen Folgen

Eine Reduzierung der Entwicklungshilfe würde für die Betroffenen weiteres Elend bedeuten. "Westliche Länder möchten vielleicht durch solche Entscheidungen ihre Bilanzen ausgleichen, aber die Auswirkungen werden Hungersnöte und weiter steigende Unsicherheit im Leben der Menschen sein", so Salbi. Das führe jedoch zu neuen Konflikten, die am Ende auch die Bevölkerung der westlichen Industrieländer betreffen würden. Ngozi Okonjo-Iweala, Managing-Director der Weltbank und frühere nigerianische Finanzministerin, sprach ebenfalls auf der Konferenz und versuchte auf die Lage der Frauen hinzuweisen. Die Menschen in Entwicklungsländern hätten die Krise nicht verursacht, würden allerdings die Folgen tragen. 90 Mio. Menschen seien nun zusätzlich von Armut betroffen.

Frauen "das sicherste Investment von allen"

Okonjo-Iweala und Salbi waren sich einig, dass Frauen in armen Ländern unverhältnismäßig stark betroffen seien. "Frauen und Mädchen treffen alle schrecklichen Dinge dieser Welt besonders hart: die Wirtschaftskrise, Hungersnöte, Kriege", so Salbi. Sie würden in weiten Gebieten stark benachteiligt, bekämen weniger zu essen und würden aus den Schulen genommen. Weltbank-Präsident Robert Zoellick nannte jedoch gerade die Investition in Frauen einen kräftigen Katalysator für wirtschaftliches Wachstum in Entwicklungsländern. Das sei eben nicht nur fair, sondern mache auch ökonomisch Sinn. Der Finanzmarkt gleiche oft einem Glücksspiel, so Salbi. Frauen seien jedoch das sicherste Investment von allen, schloss die "Women for Women"-Gründerin ebenfalls in ökonomistischer Logik. (pte)

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    Zainab Salbi ist die Gründerin und Geschäftsführerin von  "Women for Women International".

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