Zwei Weltspitzenforscher

19. Oktober 2009, 18:12
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    foto: matthias cremer

    Die beiden Preisträger Jürgen Knoblich (links) und Gerhard Widmer

Wissenschaftsminister Hahn überreicht Wittgenstein- und Startpreise 2009: Zellbiologe Jürgen Knoblich und Informatiker Gerhard Widmer ausgezeichnet

Wien - Beim Nobelpreis sind wir heuer zwar zum 35. Mal in Folge leer ausgegangen. Immerhin waren im Vorfeld aber zwei aus Österreich stammende Wissenschafter als ernsthafte Kandidaten genannt worden. Tatsächlich gibt es einige Forschungsfelder, in denen heimische Forscher zur Weltspitze zählen - wie etwa in der Quantenphysik, einigen Bereichen der Mathematik oder der Lebenswissenschaften.

Es gibt aber auch Forscher, die in ihrem Gebiet so etwas wie "Weltspitzenreiter" sind - wie der Zellbiologe Jürgen Knoblich oder der Informatiker Gerhard Widmer. Zu diesem Urteil kam zumindest eine international zusammengesetzte Jury unter der Leitung der Harvard-Wissenschaftsforscherin Sheila Jasanoff, welche Knoblich und Widmer zu den diesjährigen Wittgensteinpreisträgern kürte.

Diese seit 1996 vergeben Auszeichnung ist so etwas wie der "Austro-Nobelpreis" , wenn auch mit einigen wichtigen Unterschieden: Die Preisträger erhalten zwar mehr Geld, nämlich 1,5 Millionen Euro. Doch diese Summe ist in den nächsten sechs Jahren in Forschung zu investieren. Für Wissenschaftsminister Johannes Hahn wird mit dem Preisgeld damit auf der Basis des bisher Geleisteten "ein Versprechen für die Zukunft abgegeben" , wie er bei der Preisverleihung am Montag formulierte.

Jürgen Knoblich forscht heute am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Dort und am Schwesterinstitut IMP gelangen dem aus Bayern gebürtigen Molekularbiologen auch seine bahnbrechenden Arbeiten zur asymmetrischen Zellteilung in Stammzellen. Mit seiner insgesamt 19-köpfigen Arbeitsgruppe konnte er bei Fruchtfliegen den Prozess, bei dem aus einer Stammzelle einerseits wieder eine Stammzelle und andererseits eine spezialisierte Zelle entsteht, vollständig aufklären. Was anwendungsfern klingt, hat enorme medizinische Bedeutung, da diese asymmetrische Zellteilung eine wichtige Rolle bei der Tumorentstehung bzw. bei Krebsstammzellen spielt.

Auch in den preisgekrönten Arbeiten von Gerhard Widmer, der an der Uni Linz arbeitet, liegen Grundlagenforschung und Anwendung mittlerweile eng beisammen, obwohl es zu Beginn ganz anders aussah: Widmer arbeitet an neuen intelligenten Computermethoden zur Musikerkennung. Dabei geht es nicht nur um die Analyse der Interpretation von Musikstücken, sondern auch um Algorithmen, die riesige digitale Musiksammlungen nach bestimmten Kriterien durchsuchen und ordnen können - und auch schon kommerziell eingesetzt werden.

Neben den neuen Wittgensteinpreisträgern wurden am Montag auch sechs Nachwuchsforscher mit den Startpreisen ausgezeichnet, deren Arbeit ein ganz besonderes "Versprechen für die Zukunft" darstellt: die Physikerin Francesca Ferlaino (Uni Innsbruck), die Mathematikerin Ilse Fischer (Uni Wien), der Gastroenterologie Arthur Kaser (Med-Uni Innsbruck), der Mathematiker Manuel Kauers (Uni Linz), der Physiker Thorsten Schumm (TU Wien) sowie der Zellbiologe David Teis (Med-Uni Innsbruck).  (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 20. 10. 2009)

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Posting 1 bis 25 von 40
1 2
gustav gans42
00
22.10.2009, 15:02

wär interessant zu erfahren, wo sich "die Weltspitzen" befinden, die da erforscht werden...

Sitacui
10
21.10.2009, 13:16
Gratulation

an Gio Hahn. Es tut sich was in der österreichischen Wissenschaftslandschaft.

her wig
00
20.10.2009, 16:52
Gratulation

an die Konkurrenten ;-)

STIHL 026
00
20.10.2009, 14:25

dauernd werden imp/imba-leute ausgezeichnet

nofretete69
 
00
20.10.2009, 17:58

und ? was stört sie daran ?

davon abgsehen , dass das nicht stimmt ......

Le guignol
00
20.10.2009, 17:21

imp/imba?

Können Sie mich aufklären was das ist?

nofretete69
 
00
20.10.2009, 18:34

imp : institut für molekulare pathologie
imba : inst. für molekulare biotechnologie

beide im 3. bezirk

Orakel1
82
20.10.2009, 10:03
"Weltspitzenforscher" nach unserem Niveau.

Ich frage mich nur, warum diese "Weltspitzenforscher" international völlig unbedeutendd sind und sie keine anderen Auszeichnungen erhalten.

reismeister
01
21.10.2009, 02:39
"auszeichnungen"

in den bio-wissenschaften sind in erster linie publikationen in journalen wie cell, nature und science - und davon hat knoblich jede menge! hut ab vor seinen wissenschaftlichen leistungen!

robert kock
11
20.10.2009, 13:32

Sie haben offensichtlich keine Ahnung! Gut, aber müssen Sie das hier zur Schau stellen?

jinan
01
20.10.2009, 13:08

Genau das Gegenteil ist der fall. Man kennt JK mehr in Boston, San Francisco, London oder Tokyo als in Wien. Es reicht ein Blick auf die Publikationsliste (pubmed) von Juergen Knoblich, um zu sehen, dass er einer der absolut besten Forscher der Welt ist - auf allen Gebieten. Dieser Preis war schon laengst ueberfaellig.

nofretete69
 
00
20.10.2009, 12:38

ist das jetzt reine polemik oder meinen sie das ernst ??

Orakel1
00
21.10.2009, 10:58
Teil II an Nofretete. Titel Klarstellung.

Ich sage Ihnen, stellvertretend für die anderen Krtiker, meine Ansicht.

Bei uns wird auch durch die Gesetzeslage die Forschung behindert bis verunmöglicht (Stammzellen beispeilsweise). Während wir uns noch mit einer uneinigen und inkompeteneten Bürokratie, die politisch abhängig ist, herumstreiten, haben die Excellenz-Unis meines Gastlandes den sonst üblichen Weg des brain-drain sytematisch umgekehrt. In enger Kooperation mit den Forschungsgesellschaften, z.B. Max-Planck, werden Bedingungen geschaffen, die beispielhaft sind. An der TU haben wir elf Institute, die zu 100 % von der Industrie gesponsert werden, wobei die Freiheit der Forschung immer erhalten bleibt. Das alles gehört zu einer Forschungslandschaft, die objektiv Weltspitze is

Orakel1
00
21.10.2009, 09:46
Klarstellung.

Ich spreche mehr von dem Forschungsland Österreich. Und das ist eine Wüste. Seit wann liegt der letzte Nobelpreis zurück? War das Jelinek oder der in Deutschland forschende Verhaltensforscher Lorenz? Wenn ich als Österreicher sehe, wie unsere Nachbarn relativ viel mehr Mrd. in die Forschung investieren, als mein Heimatland, dann schäme ich mich fast. Und wenn ich dann en détail sehe, welches level die TU München hat - und da kenne ich mich sehr wohl genau aus - dann ist ein umgekehrter Weg, nämlich weg von Österreich, vice versa zu den Studenten, feststellbar. Nach Meinung des CEO von General Electric, deren europäisches Forschungszentrum unser Nachbar ist, liegt die TU in der Grundlagenforschung auf Augenhöhe mit den führenden Amis. Forts.

Anonymous Coward
01
20.10.2009, 12:36

Wenn Sie in den jeweiligen Fachgebieten bewandert wären, würden Sie so etwas nicht behaupten.

Trefflicherweise hat gerade Ludwig Wittgenstein einen berühmten Satz formuliert, den Sie sich zu Herzen nehmen sollten.

EquinoxOmega
07
19.10.2009, 21:07
"Beim Nobelpreis sind wir heuer zwar zum 35. Mal in Folge leer ausgegangen."

Elfriede Jelinek?

rentnak2
24
19.10.2009, 21:32

ach sie meinen diese nestbeschmutzerin? beim standard mögen sie so leute doch nicht :-)

siliconvalley
00
20.10.2009, 02:09

da haben wohl welche den Sarkasmusdetektor nicht eingeschaltet ;-)

KTHXBYE
00
19.10.2009, 20:41

Mich würde interessieren, ob dieser Audiosuchalgorithmus auch brauchbar ist um, sagen wir, Terabytes von archivierten Telefonmitschnitten auf Schlüsselwörter oder Phrasen zu prüfen oder realtime Monitoring zu betreiben.

Naeich
 
01
20.10.2009, 00:20
Nein ...

ist er nicht.

Kurt Wischin
 
00
19.10.2009, 14:41
Ironie

Nachdem Wittgenstein Allan Turing in seinen Seminaren zur Verzweiflung getrieben hat, ist es keine schlechte Ironie, dass der Wittgenstein-Preis nun an einen Computerwissenschaftler geht.

NONE
00
19.10.2009, 16:12

Ach was. Turing hatte sicherlich viel mehr Probleme mit der britischen Regierung aufgrund seiner persönlichen Neigung.

Belacqua
00
19.10.2009, 16:08

Naja, der Turing. Interessant, aber halt alles problematisch, was er geschrieben hat.

Saskia Fabian
 
121
19.10.2009, 12:47
warum sollen computer ein musikverständnis entwickeln

es gibt doch...menschen?
eine echte verar....ung dieser preis.

Anonymous Coward
01
20.10.2009, 13:13

Musikempfehlungssysteme, inhaltsbasierte Suchmaschinen, neue elektronische Musikinstrumente, Tools für Sounddesigner, neue musikwissenschaftliche Erkenntnisse, neue kognitionspsychologische Erkenntnisse, neue softwareunterstützte Methoden für den Musikunterricht usw. usf., die Liste lässt sich fortsetzen.

Mir ist schon klar, dass der Bauer nicht frisst, was er nicht kennt. Nur sollte er sich dann nicht als Gourmet aufspielen.

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