Koralmtunnel wird erst Ende 2020 fertig

19. Oktober 2009, 18:33
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Größtes Tunnelbaulos der Zweiten Republik wird im November ausgeschrieben - 1,1 Milliarden Euro wurden schon verbaut

Graz/Klagenfurt - Der Bau der - von den ÖBB als "Jahrhundertprojekt" titulierten - Koralmbahn verzögert sich weiter. Die Strecke wird, anders als prognostiziert, nicht 2018 oder gar 2016, sondern frühestens 2020 befahrbar sein, kündigte ÖBB-Infrastrukturvorstand Georg-Michael Vavrovsky am Montag in Graz an. Die geologischen Gegebenheiten hätten eine Änderung des ursprünglichen Zeitplanes erzwungen, so die offizielle ÖBB-Begründung. Inoffiziell heißt es: Die ÖBB spielten bewusst auf Verzögerung, da das Koralm-Projekt im Rahmenplan ohnehin nicht mehr entsprechend vorgesehen sei.

Im November wird das Herzstück der Koralmbahn, der Koralmtunnel, ausgeschrieben. Der 33 Kilometer lange Tunnel ist mit rund 2,3 Mrd. Euro budgetiert, die gesamte, 130 Kilometer lange Koralmbahn mit 5,1 Mrd. Euro.

Die Koralmbahn ist als Verlängerung des transeuropäischen Korridors VI in den oberitalienischen Raum konzipiert. Sie ist Teil einer Bahnlinie, die von Danzig über Warschau und Wien nach Triest, Venedig und Bologna führt, sie verbindet die Ostsee mit dem Mittelmeer. Integraler Bestandteil der Strecke ist der Semmeringtunnel, ohne den die Koralmbahn verkehrstechnisch wenig Sinn macht.

Die Arbeiten am Abschnitt Graz- Klagenfurt laufen seit 2001. 1,1 Mrd. Euro wurden bereits verbaut.

Vonseiten der ÖBB hieß es am Montag, die Finanzierung des Gesamtprojektes sei abgesichert, was in der Steiermark mit Genugtuung kommentiert wurde. SPÖ-Klubchef Walter Kröpfl sagte, die Verzögerung sei "nicht so dramatisch, viel wichtiger ist, dass die Finanzierung außer Streit steht" .

"Nicht finanzierbar"

Einer der profiliertesten Tunnelexperten Österreichs, der langjährige Chef der Semmeringtunnel-Bürgeriniativen, Franz Fally, hält das gesamte Projekt, wie auch andere Verkehrsexperten, aber nach wie vor für "verkehrspolitisch nicht notwendig und letztlich nicht finanzierbar" . Es sei "nicht das nötige Transportvolumen - Güter und Personen - vorhanden" , die bestehende Südbahn ausreichend.

Die Koralmbahn werde ein "ständiger Zuschussbetrieb" bleiben und nicht fünf, sondern sieben bis acht Mrd. Euro kosten. Fally im Standard-Gespräch: "Die ÖBB haben ja schon jetzt den Zugverkehr nach Venedig teilweise eingestellt. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich die Passagierfrequenz künftig erhöhen wird." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.10.2009)

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    Mit einer Länge von 32,9 km wird der Koralmtunnel nach seiner Fertigstellung zu den fünf längsten Eisenbahntunneln des Alpenbogens zählen.

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