"Attentat könnte einschneidende Folgen haben"

19. Oktober 2009, 10:35
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"El Mundo": Innere Feinde des iranischen Regimes im Westen kaum bekannt - "Le Figaro": Teheran durch US-Gesprächsangebot verwirrt

Madrid/Paris/Rom - Die Presse international beschäftigt sich am heutigen Montag mit dem Iran: einerseits mit dem Anschlag vom Sonntag auf die paramilitärischen Revolutionsgarden mit Dutzenden Toten, andererseits mit den Wiener Atomgesprächen, bei denen geklärt werden soll, ob und unter welchen Bedingungen der Iran Uran im Ausland anreichern lassen will. Im Folgenden Wortlautauszüge:

  • "El Mundo" (Madrid):

"Die inneren Feinde des Regimes im Iran sind im Westen weitgehend unbekannt. Sie sind jedoch gefährlicher als die äußeren. Dazu gehört auch die radikale Sunnitengruppe Jundollah  (Soldaten Gottes), die sich zu dem Attentat bekannte. Der Anschlag muss zunächst einmal als ein Angriff auf das Regime in Teheran interpretiert werden. Aber es ist auch keineswegs auszuschließen, dass andere Motive dahinter steckten, die nicht direkt mit der Politik zu tun haben. Bei dem Anschlag könnte es sich auch um eine Abrechnung im Milieu der Drogenschmuggler oder um einen persönlichen Racheakt gehandelt haben. Einem Bruder des Jundallah-Anführer droht nämlich Todesstrafe."

  • "Le Journal de la Haute Marne" (Chaumont):

"Der rapide Anstieg der Gewalt in dieser Weltregion ist wirklich beunruhigend. Im Irak hat sich die Feindseligkeit zwischen Schiiten und Sunniten bereits zum Bürgerkrieg entwickelt. Und die gleiche Feindseligkeit, begleitet von ethnischen Konflikten, wird zwischen dem Iran und Pakistan immer radikaler. Der Westen, allen voran die USA, befinden sich oft zwischen den Fronten. Regelmäßig werden sie beschuldigt, hinter den Destabilisierungsmanövern zu stecken."

  • "La Repubblica" (Rom):

"Das Attentat von Belutschistan könnte weit einschneidendere Folgen haben als von seinen Urhebern geplant. (...) So könnten die Auswirkungen über den lokalen Rahmen hinaus in einer Art Dominoeffekt auch Pakistan, Israel, Großbritannien und vor allem die USA betreffen - kurz vor den geplanten Atomgesprächen zwischen Washington und Teheran. (...) Die Anschuldigung Teherans, (US-Präsident Barack) Obama hätte sich bei dem Anschlag 'seine ausgestreckte Hand verbrannt', kommt nicht von ungefähr: (...) Die Revolutionsgarden werden den Anschlag zu nutzen wissen - zum Beispiel, um Obama zu zwingen, interessante Offerten zu machen, um den iranischen Wettlauf in Richtung Atombombe zu stoppen."

  • "Le Figaro" (Paris):

"Die Schnelligkeit, mit der Teheran die USA beschuldigt hat, hinter dem Anschlag zu stehen, ist bezeichnend. Sie verrät, wie sehr  die Politik Washingtons der Öffnung das Mullah-Regime in Verwirrung gestürzt hat. Wie soll es auf das Gesprächsangebot reagieren, wo es sich doch zuvor damit begnügen konnte, die große Ablehnung der Bush- Regierung auszunutzen? In Wien werden die Iraner auf diese Frage antworten müssen. (...) Entweder es gelingt, einen Mechanismus zu schaffen, der eine Entspannung in der Atomfrage ermöglicht. Teheran würde dann zurück ins Glied treten und gleichzeitig sein Gesicht wahren, um seine Macht auf die Regelung der inneren Probleme zu konzentrieren. Oder das zunehmend destabilisierte Regime verschließt sich weiter und versucht, über den nationalistischen Reflex die Einheit wieder herzustellen. Von diesen beiden Thesen ist die erste nicht die wahrscheinlichere. Man muss aber hoffen, dass sie zum Tragen kommt." (APA)

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