Was hinter dem Placebo-Effekt steckt

19. Oktober 2009, 10:21
10 Postings

Forscher haben nachgewiesen, welche neurobiologischen Mechanismen für eine verminderte Schmerzempfindung sorgen

Hamburg - Die psychologischen Faktoren für die Schmerzwahrnehmung eines Menschen können auf viele verschiedene Wege beeinflusst werden: Etwa über die Lenkung der Aufmerksamkeit, Hypnose oder durch den sogenannten Placebo-Effekt. Welche neurobiologischen Mechanismen dafür sorgen, dass die Schmerzempfindung reduziert wird, konnten Wissenschafter des Instituts für Systemische Neurowissenschaften vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf nun nachweisen. Ein Placebo-Effekt - also eine verringerte Schmerzwahrnehmung trotz physikalisch gleicher Stimulation - gehe laut den Forschern mit einer verringerten Nervenzellaktivität im Rückenmark einher. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Science" publiziert.

Ausschüttung von Endorphinen

Bisher erklärten Neurowissenschaftler den Placebo-Effekt durch den Glauben an die Wirksamkeit eines Schmerz-Medikaments, der im Gehirn zur Ausschüttung von endogenen Opiaten - auch Endorphine genannt - führt. Die Ausschüttung dieser endogenen Opiate geht mit einer verminderten Schmerzwahrnehmung und einer entsprechend geringeren Antwort von Nervenzellen in schmerzverarbeitenden Hirnarealen einher. Wie diese Opiatausschüttung und die Reduktion der schmerz-relevanten Nervenzellaktivität zusammenhängen, war bisher ungeklärt.

Verringerte Nervenzellaktivität im Rückenmark 

In einer früheren Studie konnte der Forscher Falk Eippert vom Institut für Systemische Neurowissenschaften bereits zeigen, dass Placebo-Effekte mit einer verstärkten endorphinergen Kopplung zwischen frontalen Arealen der Großhirnrinde und dem Hirnstamm einhergehen. Jüngste technische Entwicklungen ermöglichten es Eippert nun, mittels hochauflösender kernspintomographischer Aufnahmen des menschlichen Rückenmarks nachzuweisen, dass ein Placebo-Effekt mit einer verringerten Nervenzellaktivität im Rückenmark, der ersten Station des Zentralnervensystems, einhergeht. Somit konnte gezeigt werden, dass psychologische Faktoren der Schmerzmodulation tief im Hirn verwurzelt sind.

Die Tatsache, dass solche Einflüsse im menschlichen Rückenmark messbar sind, ist auch für klinische Studien zur Testung von neuen Medikamenten relevant, da man somit deren Effektivität und Wirkungsort genauer untersuchen kann. (red)

Share if you care.