Teheran besteht weiter auf eigene Urananreicherung

19. Oktober 2009, 13:48
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Zukauf von nuklearem Brennstoff im Ausland bedeute nicht Aus für die eigenen Anreicherungsaktivitäten

Teheran/Wien - Der Iran beharrt im Atomstreit kurz vor einem neuen Treffen auf internationaler Ebene in Wien auf der Urananreicherung im eigenen Land. "Wir werden niemals auf unser Recht verzichten", sagte Ali Shirzadian, Sprecher der iranischen Atombehörde, am Montag laut der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA in Teheran. "Nuklearen Brennstoff vom Ausland zu kaufen, bedeutet nicht, dass der Iran seine Aktivitäten zur Urananreicherung innerhalb des Landes stoppen wird."

Shirzadian äußerte sich nur wenige Stunden vor einem Treffen zwischen Vertretern des Iran, der USA, Russlands und Frankreichs bei der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO bzw. IAEA) in Wien. Zentrales Thema ist der Vorschlag, dass die Islamische Republik gering angereichertes Uran zur Verarbeitung an Partnerländer im Ausland schicken soll. Damit soll eine Herstellung von waffentauglichem Atommaterial im Iran verhindert werden. Der Westen wirft dem Iran vor, heimlich nach Kernwaffen zu streben. Die Regierung in Teheran weist das zurück.

Der Iran reichert in seiner Anlage in Natanz Uran niedrig an, obwohl der UNO-Sicherheitsrat und die IAEO seit Jahren den Stopp des Programms fordern. Niedrig angereichertes Uran wird für die Stromgewinnung gebraucht, höher angereichertes je nach Grad für Forschungs- und Waffenzwecke.

Anreicherung in Russland und Frankreich

Bei den letzten Verhandlungen zwischen den UNO-Vetomächten, Deutschland sowie der EU und dem Iran Anfang Oktober in Genf, die von beiden Seiten als konstruktiv bezeichnet worden waren, hatte sich Teheran nach Angaben westlicher Diplomaten damit einverstanden erklärt, etwa 80 Prozent seiner Uran-Bestände nach Russland und Frankreich zu schicken. Dort solle es von einem Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent auf knapp 20 Prozent verdichtet und anschließend an den Iran zurückgegeben werden, damit es in einem iranischen Reaktor für medizinische Forschung genutzt werden kann. Für den Bau einer Atombombe würde ein Anreicherungsgrad von etwa 90 Prozent benötigt.

"Großer Fortschritt"

Die Gespräche in Wien beginnen nach Angaben der IAEO um 15.00 Uhr und sind nicht medienöffentlich. Für die Verhandlungen seien "zwei bis drei Tage" anberaumt, hieß es. Der Atomphysiker Martin Kalinowski hat die aktuellen Gespräche als "großen Fortschritt" bezeichnet. Es gebe zwar viele mögliche Streitpunkte im Detail, aber die Verhandlungen und die daraus resultierende Möglichkeit einer nuklearen Kooperation mit dem Iran sei positiv zu bewerten, erklärte Kalinowski, Professor am Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung an der Universität Hamburg, am Montag im Ö1-Mittagsjournal.

Er wisse nicht, ob der Iran tatsächlich versuche eine Atomwaffe zu bauen, sagte Kalinowski im Interview mit dem ORF-Radio. Doch es gebe mit Sicherheit Kräfte und Akteure im Iran, die Interesse am Bau einer Atomwaffe hätten. Man dürfe diese Personen nicht mit Kriegsdrohungen stärken, sondern solle vielmehr versuchen einen Weg der Kooperation mit dem Iran zu gehen, um den Atomwaffenbefürwortern die Argumente zu entziehen, so der Kernphysiker.

Der Iran habe das Recht der zivilen Nutzung von Atomenergie, erklärte Kalinowski weiter. Dies sei "unabdingbar". Der Iran dürfe sich rechtlich darauf berufen, und deshalb gebe es auch diese "Sackgassen" bei den Verhandlungen. Die Lösung in diesem Konflikt sei nun, dass der Iran aus einem zivilen Atomprogramm kein militärisches Recht mache, sondern die verfügbaren Atommaterialien aus dem Land geschafft und zivil nutzbar gemacht würden, so Kalinowski.

Das iranische Atommaterial liege derzeit auf Lager, und es bestehe die Gefahr, dass es noch höher angereichert werde, so dass es für Bomben geeignet sei. Um dieses Risiko zu verringern, solle es im Ausland zu medizinisch einsetzbaren Brennstäben umgewandelt werden, fürhte der Atomphysiker weiter aus.

Den Grund für die internationale Angst vor dem Iran sieht Kalinowski in der vergangenen Geheimhaltungspolitik des Landes. Das Misstrauen sei da, weil der Iran die vergangenen 18 Jahre Anlagen und Aktivitäten geheim gehalten habe. Dies trage nicht zur "Vertrauensbildung" bei. Hinzu komme, dass es im Iran möglicherweise Studien zur Entwicklung von Kernwaffen gebe, doch dies sei nicht endgültig geklärt, so der Experte. (red/APA/Reuters)

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