Israel könnte laut UNO Spionagesensoren im Libanon platziert haben

19. Oktober 2009, 07:30
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Zwei Explosionen am Wochenende - Protest wegen Überflugs von israelischen Drohnen

Beirut - Israel hat den Vereinten Nationen zufolge möglicherweise Spionagevorrichtungen im Libanon platziert und damit das Waffenstillstandsabkommen mit dem Nachbarland verletzt. Eine vorläufige Untersuchung zweier Explosionen im Süden Libanons am Wochenende ergab nach Angaben der UNO-Friedenstruppen im Libanon (Unifil), dass diese durch die Detonation von unterirdischen Sensoren verursacht wurden. Die Vorrichtungen seien offenbar von israelischen Streitkräften während des Krieges gegen die schiitische Hisbollah im Libanon 2006 vergraben worden, hieß es am Sonntag in einer Unifil-Mitteilung. Sollte sich dies bestätigen, hätte Israel damit gegen die Resolution 1701 des UNO-Sicherheitsrats verstoßen, die den 34-tägigen Libanonkrieg gestoppt hatte.

Die beiden Explosionen hatten sich am Samstagabend und Sonntag früh rund zwei Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt auf libanesischem Territorium ereignet. Berichte über Verletzte lagen nicht vor. Einem libanesischem Sicherheitsbeamten zufolge wurden die zwischen zwei Dörfern platzierten Vorrichtungen offensichtlich von Israel aus ferngezündet, nachdem sie von libanesischen Sicherheitskräften entdeckt worden waren.

Israel äußerte sich nicht direkt zu den Anschuldigungen. In einer Mitteilung des israelischen Militärs hieß es lediglich, der Vorfall vom Sonntag beweise die Anwesenheit bewaffneter Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon, insbesondere in den ländlichen schiitischen Gebieten entlang der Grenze zu Israel.

Protest nach Drohnenüberflug

Unifil erklärte zudem, beim israelischen Militär wegen des Überflugs von Drohnen protestiert zu haben. Die unbemannten Flugkörper seien während der Untersuchungen der UNO-Friedenstruppen und libanesischer Soldaten im Einsatz gewesen. Die libanesischen Soldaten hätten die Drohnen mit Handfeuerwaffen und Maschinengewehren beschossen, hieß es in der Unifil-Mitteilung. Der UNO-Sonderkoordinator für den Libanon, Michael Williams, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Einsatz von Drohnen sei eine klare Verletzung der libanesischen Souveränität und der Resolution 1701 und sei zudem "nicht besonders hilfreich in einer Zeit offensichtlicher Spannungen im Süden".

Unifil soll Waffenlieferungen an die radikal-islamische Hisbollah im Südlibanon verhindern. Die Friedenstruppe besteht aus 12.000 Soldaten. Ende August hatte der UNO-Sicherheitsrat den Friedenseinsatz im Libanon um ein Jahr verlängert. Im Libanonkrieg waren 1.200 Libanesen und 159 Israelis ums Leben gekommen. (APA/Reuters)

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