Medienvielfalt auf dem Prüfstand

19. Oktober 2009, 12:15
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Spekulation, dass Nachrichtenmagazine zu Staatssender wandern - Liberale TV-Station dementiert Einflussnahme

Der als liberal geltende russische Fernsehsender Ren-TV hat einen Bericht der Moskauer Presse über einen zunehmenden Einfluss des Staates auf seine Berichterstattung zurückgewiesen. Der Kanal, bei dem im Unterschied zu anderen Medien wiederholt auch Kremlkritiker zu Wort kommen, habe keinesfalls eine Übernahme der Nachrichtenmagazine vom Staatssender Russia Today beschlossen. Das sagte Ren-TV-Sprecher Anton Nasarow am Sonntag der Deutschen Presse- Agentur dpa in Moskau. Aus dem Umfeld des Senders verlautete, Ren-TV und der ebenfalls liberale Fünfte Kanal erhielten künftig "lediglich technische Unterstützung" von Russia Today. Der Staatssender wolle angeblich keinen Einfluss auf die Form der Berichterstattung nehmen.

Die renommierte Zeitung "Kommersant" hatte unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, die Info-Magazine von Ren-TV und dem Fünften Kanal würden nach einem Managerwechsel und einem geplanten Umzug künftig von Russia Today produziert. Dies hatte Befürchtungen einer weiteren Einschränkung der Medienvielfalt in Russland geweckt.

Die populäre Ren-TV-Moderatorin Marianna Maximowskaja schloss eine "Entmündigung" aus. "Nach einem Gespräch mit dem Management bin ich sicher, dass es in naher Zukunft zu keinen fundamentalen Änderungen unserer Nachrichtensendungen kommen wird", sagte die 39-Jährige der Agentur Interfax. Laut Nasarow könnten die Nachrichtenredaktionen von Ren-TV und dem Fünften Kanal zusammengelegt werden. Darüber sei aber noch nicht entschieden. Die beiden Sender gehören zur Nationalen Mediengruppe (NMG) des Unternehmers Juri Kowaltschuk, der enge Beziehungen zu Regierungschef Wladimir Putin unterhalten soll.

Der englischsprachige Sender Russia Today, der 2005 zur Imageverbesserung des Landes gegründet worden war, wollte die Berichte nicht kommentieren. Ren-TV, an dem die RTL Group 30 Prozent hält, war 2007 als letzter großer russischer Privatsender mehrheitlich an eine kremlnahe Bank gegangen. Medienwissenschaftler beklagen in Russland seit langem eine zunehmende Einschränkung der Pressefreiheit vor allem in elektronischen Medien. Die größten Sender liegen nach Einschätzung von Beobachtern seit langem auf Staatslinie. So würden in Info-Magazinen Regierungspolitiker verstärkt erwähnt, während die außerparlamentarische Opposition ignoriert werde. (APA/dpa)

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